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Bundesrepublik Deutschland

Nationalhymne

Die offizielle Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland, ist die dritte Strophe des von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 -1874) gedichteten Liedes. Die Melodie stammt vom österreichischen Komponisten Joseph Haydn (1732 - 1809) und wurde auch als österreichische "Kaiserhymne" benutzt.

Deutschland, Deutschland über alles,
über alles in der Welt,
wenn es stets zu Schutz und Trutze
brüderlich zusammenhält.
Von der Maas bis an die Memel,
von der Etsch bis an den Belt,
|: Deutschland, Deutschland über alles,
über alles in der Welt! :|

Deutsche Frauen, deutsche Treue,
deutscher Wein und deutscher Sang
sollen in der Welt behalten
ihren alten schönen Klang,
uns zu edler Tat begeistern
unser ganzes Leben lang.
|: Deutsche Frauen, deutsche Treue,
deutscher Wein und deutscher Sang! :|

Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand;
|: blüh' im Glanze dieses Glückes,
blühe, deutsches Vaterland. :|

Der Dichter der Nationalhymne

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben schrieb die Nationalhymne 1841 auf Helgoland, das damals noch zu England gehörte. Hoffmann von Fallersleben war ein deutscher Germanist und Lyriker, geboren am 02.04.1798 in Fallersleben bei Braunschweig, seit 1830 Professor für deutsche Sprache und Literatur in Breslau.

Er war ein Anhänger des Nationalliberalismus und schrieb etwa zur selben Zeit wie die Nationalhymne seine "Unpolitischen Lieder" (1840/41), die gar nicht unpolitisch waren, sondern klar Stellung für die Demokratie nahmen. Als diese "Unpolitischen Lieder" im Jahr 1842 erschienen, wurde Hoffmann von Fallersleben seines Amtes enthoben und des Landes verwiesen. Wegen seiner demokratischen Einstellung war Hoffmann von Fallersleben in den Folgejahren einer ständigen Verfolgung durch die monarchistischen Regierungen der deutschen Teilstaaten ausgesetzt. Beinahe vierzig Mal wiesen ihn deutsche Städte und Staaten aus, regelmäßig wurde er verhört.

Hoffmann von Fallersleben wurde im Jahr 1848 rehabilitiert und bekleidete ab 1860 das Amt des Bibliothekars des Herzogs von Ratibor in Corvey. Als Germanist entdeckte er Fragmente von Otfrieds Evangelienbuch und das Ludwigslied. Zudem schrieb er auch Kinderlieder (u. a. 'Alle Vögel sind schon da', 'Morgen kommt der Weihnachtsmann'). Hoffmann von Fallersleben starb am 19.01.1874 auf Schloss Corvey in Westfalen.

Der Melodie der Nationalhymne

Die Melodie der Nationalhymne stammt vom österreichischen Komponisten Joseph Haydn (1732 - 1809). Sie ist Thema des 2. Satzes op. 76, Nummer 3, G Dur des Kaiserquartetts, welches Haydn im Jahr 1797 komponierte.

Diese Melodie wurde auch als österreichische Kaiserhymne (Gott erhalte Franz den Kaiser, unsern guten Kaiser Franz) benutzt und bezog sich auf den in Wien residierenden Kaiser Franz II, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Haydn hatte mit dieser Melodie eine der schönsten Hymnen der Welt geschaffen, von der er selbst sagte: "Ich spiele das Lied an jedem morgen und oft habe ich Trost und Ergehung daraus genommen, in den Tagen der Unruhe... Mir ist herzlich wohl, wenn ich es spiele, und noch eine Weile nachher."

Historischer Hintergrund

Hoffmann von Fallersleben verstand das Lied als "Liebeslied" an seine Heimat. Sein politisches Ziel war es, eine Vereinigung der zu jener Zeit 38 Staaten im Deutschen Bund zu erreichen. Seit 1815 waren diese Staaten in einem lockeren föderativen Bund verbunden, mit einer nur schwachen Bundeszentralgewalt und unter Beibehaltung der Souveränität und der territorialen Besitzstände der einzelnen Staaten. Durch diesen Staatenbund kam es zu keiner nationalen Einheit in Deutschland, ebenso wurden der Schutz der bürgerlichen Freiheitsrechte und eine demokratische Mitbestimmung in einer gesamtdeutschen Verfassung verhindert. Der Deutsche Bund kannte kein gemeinsames Staatsoberhaupt, keine einheitliche Verwaltung und Gesetzgebung, besaß weder Wirtschafts- noch Zolleinheit und auch kein einheitliches Heereswesen.

Als Anhänger der nationalliberalen Bewegung wollten Leute wie Hoffmann von Fallersleben dem ein einiges Deutschland auf einer verfassungsmäßigen Grundlage entgegensetzen. Auf die Frage von Ernst Moritz Arndt "Was ist des Deutschen Vaterland?" gab Hoffmann von Fallersleben zur Antwort:

"Kein Österreich, kein Preußen mehr, ein einzig Deutschland hoch und her, Ein freies Deutschland Gott bescher ..."

Textverständnis

Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt ...

Damit wollte Hoffmann von Fallersleben seinem Wunsch Ausdruck geben, dass eine Einigung der deutschen Einzelstaaten gelinge. Er strebte eine gesamtdeutsche Konstitution an, keinesfalls eine Expansion Deutschlands.

... wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält.

Hoffmann von Fallersleben gab damit seinem politischen Anliegen Ausdruck, dass die Jahrhunderte der deutschen "Bruderkriege", die das Land über viele Jahre geprägt hatten, vorbei sein sollten. Nach der staatsrechtlichen Einigung würde das geeinte Deutschland dann auch unter sicherheitspolitischen Aspekten besser in der Lage sein, sich selbst zu schützen.

Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt ...

Auch hier ist es kein Expansionsstreben, was den Dichter geleitet hat, sondern die Umschreibung der Grenzen des Deutschen Bundes im Norden, Süden, Westen und Osten, die vorgegeben waren durch die Gliedstaaten Dänemark, Niederlande und Österreich. Dass man den Text heute so kritisch betrachtet, liegt nicht an seinem Dichter und dessen Motiven, sondern an der Art und Weise, wie nationalistische und aggressiv expansive Politik Deutschland in den folgenden 100 Jahren in die Katastrophe trieben.

Geschichtlicher Verlauf

1848

Die Hymne wird bei der "Freiheitlichen Revolution" von den Teilnehmern der Versammlung in der Frankfurter Paulskirche begeistert gesungen.

1871

Bei der Reichsgründung wird das "Lied der Deutschen" nicht zur Hymne erkoren, was Hoffmann von Fallersleben sehr enttäuschte.

1918

Nach der Niederlage Deutschlands im I. Weltkrieg wird das "Lied der Deutschen" von den Besatzern verboten.

1922

Der sozialdemokratische Reichspräsident, Friedrich Ebert, erhob durch einen Erlass das "Lied der Deutschen" am 11. August 1922 zur offiziellen deutschen Nationalhymne. Er sagte: "So wie einst der Dichter, so lieben wir heute Deutschland über alles."

1930

Am 18. Februar 1930 verkündete der sozialdemokratische Stadtschulrat für Wien anlässlich der Einführung der Kernstock-Hymne: "Eine der schönsten Melodien Haydns wurde in den ersten Jahren der Republik in den Wiener Schulen weniger geübt. ... Der schönen österreichischen Melodie hat auch Hoffmann von Fallersleben einen Text unterlegt, der als "Deutschlandlied" der gefühlsmäßige und auch der offizielle Ausdruck des Einheitsbewustseins des gesamten deutschen Volkes ist. Wir haben als Österreicher und als Deutsche allen Grund, unserer Jugend das "Deutschlandlied" mit dem Text von Hoffmann von Fallersleben ... näher zu bringen. Der Stadtschulrat erwartet, dass dieses Lied in allen Schulen geübt und bei geeigneten Anlässen gesungen wird, um so die nationale und republikanische Erziehung der Jugend zu fördern."

1933

Die erste Strophe wurde von den Nationalsozialisten zu einem Vorspann für das Horst-Wessel-Lied erniedrigt. Die zweite Strophe mit ihrer romantischen Verherrlichung passte nicht in das Konzept des revolutionären Sozialismus und die dritte Strophe stieß wegen ihres demokratischem Gehaltes ("Einigkeit und Recht und Freiheit") auf Ablehnung dieses Unrechtstaates.

1952

Das gesamte Lied wird Hymne des deutschen Teilstaates, der Bundesrepublik Deutschland. In einem Briefwechsel zwischen dem ersten Bundespräsidenten, Theodor Heuss, und Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde das Hoffmann-Haydn'sche Lied wieder als Nationalhymne anerkannt. Ausdrücklich bilden alle drei Strophen die Hymne. Bei staatlichen Veranstaltungen soll jedoch nur die dritte Strophe gesungen werden. Gerade ihr Text - "Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland" - konnte die Lage des gespaltenen Deutschlands lange Zeit eindrucksvoll bewusst machen.

1989

Beim Eintreffen der Nachricht vom Fall der Berliner Mauer wurde die Nationalhymne spontan im Deutschen Bundestag gesungen, nur einige Abgeordnete der Grünen flüchteten verstört aus dem Plenarsaal.

1991

In einem Briefwechsel zwischen Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl wird die dritte Strophe des Deutschlandlieds zur Nationalhymne erklärt. Festgehalten ist dies auch im Bundesgesetzblatt Teil I 1991, Seite 2135.