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Bundesrepublik Deutschland

Staatswappen

Das offizielle Staatswappen der Bundesrepublik Deutschland ist das Bundeswappen. Es enthält wie die Nationalflagge, die Farben Schwarz-Rot-Gold und zeigt einen rot bewehrten Schwarzen Adler auf goldenem Grund, den so genannten Bundesadler.

Staatswappen der Bundesrepublik Deutschland

Gestaltung

Die Bekanntmachung des ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss vom 20. Januar 1950, ist für die Gestaltung des Wappens und des Bundesadlers maßgeblich. Die Beschreibung des Bundeswappens ist dort in Anlehnung an das Wappen der Weimarer Republik gehalten. Selbst der Text der Erklärung entspricht fast genau dem der Weimarer Republik. In der Bekanntmachung heißt es:

"[...] dass das Bundeswappen auf goldgelbem Grund den einköpfigen schwarzen Adler zeigt,
den Kopf nach rechts gewendet, die Flügel offen, aber mit geschlossenem Gefieder,
Schnabel, Zunge und Fänge von roter Farbe. Wird der Bundesadler ohne Umrahmung dargestellt,
so sind das gleiche Bild und die gleichen Farben wie beim Adler im Bundeswappen zu verwenden,
doch sind die Spitzen des Gefieders nach außen gerichtet."

Dabei ist "rechts" traditionsgemäß aus den Augen des Wappenträgers gesehen, der von seiner Position aus die Rückseite des Wappens betrachtet. Blickt man also von vorne auf den Adler, so ist sein Kopf nach links gerichtet. Im Gegensatz zu den Wappen vieler anderer Länder gibt die Bekanntmachung aber nur einen Rahmen zur Gestaltung vor. Die genauen Details sind nicht fest geregelt. Ganz im Gegenteil heißt es dort ausdrücklich weiter:

"Die künstlerische Ausgestaltung bleibt für jeden besonderen Zweck vorbehalten."

Diese Regelung macht es möglich, dass der Bundesadler in einer Vielzahl von Formen erscheint. Beispielsweise ist sein Umriss auf den deutschen Euro-Münzen kreisförmig, während er auf amtlichen Dokumenten oft in den Rahmen eines Sechsecks eingepasst ist. In allen Fällen wird er aber den allgemeinen Vorgaben aus dem ersten Absatz gerecht.

Die Adler im Deutschen Bundestag

In seiner wohl bekanntesten Form hing der Adler als großes Wandrelief im Plenarsaal des alten Bundestages in Bonn. Er wurde von dem Künstler Ludwig Gies 1953 geschaffenen. Da er etwas füllig geraten war, bekam der Vogel bald den Spitznamen Fette Henne, wurde tausendfach auf Fotos, in Zeichnungen und auf Karikaturen abgebildet und im öffentlichen Bewusstsein das selbstverständliche Symbol der Bonner Republik von den 50er bis in die 80er Jahren.

Für das Wasserwerk war der Gipsadler zu groß, weswegen eine verkleinerte Kopie aus Holz, der Bundesadler 2, aufgehängt wurde. Im neuen Plenarsaal sollte ursprünglich wieder der alte Bundestagsadler aufgehängt werden, jedoch setzte Architekt Günter Behnisch durch, dass aus gestalterischen Gründen eine Kopie aus Aluminium, der Bundesadler 3, angefertigt wurde.

Auch nach dem Umzug in das Reichstagsgebäude nach Berlin konnte sich Norman Foster mit seinem Vorschlag, den Adler neu zu gestalten, nicht durchsetzen - lediglich die im Reichstagsgebäude sichtbare Rückseite des Adlers, der Bundesadler 4, durfte neu entworfen werden. Die Vorderseite des Bundesadlers im Reichstagsgebäude, der Bundesadler 5, weist wiederum große Ähnlichkeit zu den Bundesadlern 1 bis 3 auf. Bemerkenswerter Unterschied ist, dass die ersten Bundesadler ein bewusst asymmetrisches, lückenhaftes Gefieder hatten, das die Abgeordneten an die eigene Unvollkommenheit erinnern und zur Bescheidenheit mahnen sollte. Beim Bundesadler 5 ist diese Symbolik deutlich weniger ausgeprägt.

Geschichtlicher Verlauf

Das deutsche Bundeswappen, ein rot bewehrter schwarzer Adler auf goldenem Grund (in der Heraldik sind Gold und Gelb gleichwertig), ist eines der ältesten Staatssymbole der Welt und das älteste heute noch bestehende europäische Hoheitszeichen.

Frühes Mittelalter

Als Karl der Große im Jahre 800 das römische Kaisertum erneuerte und auf das Frankenreich übertrug, übernahm er auch den Adler als Symbol des römischen Weltreichs. Auf seinem Palast zu Aachen ließ er einen metallenen, vermutlich goldenen, Adler anbringen, der noch zur Zeit Heinrichs IV. vorhanden war.

Der Adler symbolisierte zu dieser Zeit keinen bestimmten Staat unter anderen, sondern die Idee der staatlichen Ordnung überhaupt, den Reichsgedanken, so wie das Römisch-deutsche Reich übernational war. Im Laufe der Jahrhunderte machte der Adler eine mehrfache Wandlung durch vom imperialen zu einem mit dem Begriff "Deutschland" verbundenen staatlichen Symbol, daneben auch zu einem Freiheits- und schließlich zum Nationalsymbol. Parallel zum Entstehen national orientierter Staatswesen wie Frankreich oder England begann das Adlersymbol eine engere Beziehung zu Deutschland zu knüpfen, da wegen der personellen Verbindung zwischen der römischen Kaiser- und der deutschen Königswürde auch die nicht zu Kaisern gekrönten deutschen Könige den Adler führten.

Mittelalter

Im 12. Jahrhundert nahm der Adler mit dem Aufkommen des Wappenwesens heraldische Formen und zugleich Farbe an: Er wurde schwarz in einen Schild mit der goldenen kaiserlichen Farbe gestellt; im 14. Jahrhundert bürgerte sich der Brauch ein, Fänge und Schnabel rot darzustellen. Die erste heraldische Darstellung des deutschen Adlers findet sich auf einer Münze Friedrich Barbarossas aus den Jahren 1172 bis 1190, die erste farbige Wiedergabe (schwarz in goldenem Feld) unter Kaiser Otto IV. (1198-1218).

Unter Otto IV. kristallisierte sich deutlicher der staatliche Bezug - neben dem ursprünglich imperialen, an die Kaiserwürde gebundenen - des Adlersymbols heraus, denn dieser Kaiser führte als persönliches Wappen einen aus den englischen und deutschen Wappenbildern zusammengesetzten Schild; doch galt daneben der unveränderte Adlerschild als das eigentliche deutsche Reichswappen.

Dieser Bezug wurde bald darauf noch deutlicher, weil das Adlersymbol sich in zwei Bedeutungslinien spaltete. Neben dem bisherigen, einköpfigen Adler, der sich zusehends enger mit der deutschen Königswürde und mithin mit dem deutschen Reichsteil verband, kam - zunächst (seit dem 13.Jahrhundert) in der öffentlichen Meinung und erst später (seit Sigismunds Reichsvikariatssiegel 1401/2, Kaisersiegel 1433) auch in der amtlichen Praxis - der Doppeladler als Abzeichen des Kaisertums und des - immer noch übernational gedachten - Reichs auf. Die römisch-deutschen Kaiser führten fortan den Doppeladler, die oft schon zu Lebzeiten ihrer Vorgänger gekrönten römisch-deutschen Könige den einfachen. Der einköpfige Adler wurde zugleich das Stadtwappen der Krönungsstätte Aachen.

Deutscher Bund

Bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806 war das Wappen Österreichs auch das Wappen des Reiches. Die Habsburger, die 1438 die Führung im Deutschen Reich übernahmen, nahmen mit der Machtübernahme auch das Wappen der vorhergegangenen deutschen Kaiser, einen schwarzen Adler auf goldenem Grund an. Nach dem Ende des alten Reiches ging der Doppeladler auf die österreichische Monarchie über.

Der 1815 errichtete Deutsche Bund, dessen Mitgliedstaaten eifersüchtig über ihre Souveränität wachten, vermied es, ein eigentliches Bundessymbol anzunehmen, behalf sich aber provisorisch mit dem österreichischen Doppeladler ohne die zuletzt üblich gewesenen Reichsinsignien, da Österreich die Führung im Deutschen Bund inne hatte. Um der deutschen Einigungsbewegung, für die der Adler als deutsches Symbol selbstverständlich war, Wind aus den Segeln zu nehmen, erklärte der Deutsche Bund am 9. März 1848 den Doppeladler schließlich zum Bundeswappen. Die Frankfurter Nationalversammlung setzte ihn am 12. November 1848 in das Obereck der schwarz-rotgoldenen Marineflagge.

Deutsches Kaiserreich

Bei der Bismarckschen Reichsgründung 1871 kam der Doppeladler, weil Österreich ihn führte, nicht mehr in Frage, doch war der Adler als deutsches Nationalsymbol unumstritten. Er kehrte in seiner ursprünglichen, einköpfigen Form als Reichsadler zurück, traditionell schwarz gefiedert und rot bewehrt. Das Wappen des Kaiserreichs wurde zusätzlich um die preußisch-hohenzollernschen Insignien des wilhelminischen Kaisertums bereichert: das goldene Zepter und den Reichsapfel. Ein Stück über dem Adler schwebte die Reichskrone. Die Schwanzfedern des Vogels waren für gewöhnlich ornamenthaft gestaltet.

Weimarer Republik

Die ornamenthaft gestalteten Schwanzfedern, fielen nach dem Sturz der Monarchie 1918 fort. Reichspräsident Ebert legte am 11. November 1919 die republikanische, auch im äußeren Erscheinungsbild nun nicht mehr imperiale, sondern schlichte Form des deutschen Wappens in der noch heute prinzipiell gültigen Form fest: in goldenem Feld der rot bewehrte schwarze Adler mit geschlossenem Gefieder.

Nationalsozialismus

Das Dritte Reich unterbrach noch einmal die jahrhundertlange Kontinuität des deutschen Adlers. Das von Hitler entworfene, einem römischen Legionsadler nachempfundene Emblem der NSDAP mit einem Hakenkreuz in den Adlerfängen wurde als Teil der Nürnberger Gesetze auf dem Reichsparteitag 1935 zum neuen Hoheitszeichen ernannt. In der NS-Ära wurde der Adler oft in monumentaler, martialischer Gestaltung, in betontem Gegensatz zur schlichten republikanischen Form, dargestellt.

Bundesrepublik Deutschland

Nach dem Wiedererstehen deutscher Staatlichkeit auf demokratischer Grundlage, war es für die Bundesrepublik Deutschland selbstverständlich, den Adler der deutschen Republik wieder als Bundeswappen einzusetzen. Bundespräsident Heuss setzte am 20. Januar 1950 das deutsche Wappen unverändert so fest, wie es schon in der Weimarer Republik geführt worden war und seit der Wiedervereinigung 1990 wieder als gesamtdeutsches Wappen gilt.