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Bundeswehr

Geschichte der Deutschen Marine

Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation  10. - 17. Jahrhundert

Bereits seit Karl dem Großen hat sich das Fränkische Reich und später das Heilige Römische Reich Deutscher Nation (HRR) gegen Bedrohungen seiner Küsten wehren müssen. Zur Abwehr von Friesen, Normannen und Mauren wurden immer wieder Kriegsschiffe ausgerüstet.

Im 10. Jahrhundert dehnte sich der Machtbereich der Kaiser nach Norden und Osten, vor allem in den Ostseeraum aus. In dieser Zeit verfügte das Reich über beachtliche Seestreitkräfte. Als Kaiser Otto III. 983 den Thron bestieg, tauchte auf der Liste der hohen Reichsbeamten erstmals der Titel eines "Oberst Admiral" auf.

Im 11. und 12. Jahrhundert nahmen Schiffe, die von der Nordsee und ihren Zuflüssen stammten, an den Kreuzzügen teil. Mit dieser Orientierung nach Süden begann das Interesse des Reichs an einer Flotte im Nord- und Ostseeraum zu schwinden.

Kaiserliche Flotten (15. - 17. Jahrhundert)

Die Streitkräfte des Reiches bestanden aus den Truppenkontingenten der Gliedstaaten. Die Reichsheeresverfassung kannte Wehrkreise, die bestimmte Regimenter zu stellen hatten. Sie regelte nur die Aufstellung der Landstreitkräfte, eine Regelung für die Seestreitkräfte bestand nicht.

Es bürgerte sich ein, nur die habsburgisch-österreichischen Truppen als kaiserliche Truppen zu bezeichnen, zum Beispiel im Dreißigjährigen Krieg. Eine Kaiserliche Marine gab es deshalb nur insofern, als es immer wieder habsburgische Flotten gab, die die kaiserliche Flagge führten. So wurden ab 1528 in Triest Schiffe unter der Flagge des Kaisers ausgerüstet, die in den verschiedenen Auseinandersetzungen mit den Türken und Venezianern zum Einsatz kamen.

Darüber hinaus gab es auch einige Versuche, echte Reichsflotten aufzustellen. So bestand ab 1487 in Antwerpen für einige Jahre eine Reichsadmiralität, deren Tätigkeit sich allerdings auf die örtliche Bekämpfung der Piraterie beschränkte.

Spätere Planungen wurden nicht realisiert. Dazu gehörten Versuche, die Schiffe des niedersächsischen, des niederrheinisch-westfälischen und des burgundischen Reichskreises 1571 im Kampf gegen die niederländischen Wassergeusen zusammenzufassen oder der Plan der ostfriesischen Grafen, sich zum Reichsadmiral machen zu lassen. Auch preußisch-brandenburgische Flotteninitiativen waren nur von kurzer Dauer und standen zudem teilweise unter dem Einfluss polnischer Lehenshoheit.

Einige Seefahrer führten die kaiserliche Flagge, um von deren hohem Ansehen zu profitieren, so zum Beispiel auch Ferdinand Magellans Schiffe bei der Weltumsegelung 1519. Die Besatzungen der mit diversen Unterbrechungen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts existierenden Triester Flotten waren meist Italiener. Eine wirkliche deutsche Marinetradition entstand nicht.

Wallensteins kaiserliche Flotte (1627 - 1632)

Im Dreißigjährigen Krieg gab es für kurze Zeit eine kaiserliche Flotte in der Ostsee. Wallenstein hatte 1627 von Kaiser Ferdinand II. zusammen mit dem Titel "Admiral der Nord- und Ostsee" den Auftrag erhalten, diese Flotte aufzubauen, um den Schweden unter König Gustav Adolf entgegen zu treten. Aber bereits nach einem einzigen erfolglosen Gefecht vor Stralsund unter Leitung von Wallensteins Admiral Gabriel de Roy im Dezember 1630 zerfiel diese Flotte und beendete ihr Dasein 1632 mit der schwedischen Eroberung Stralsunds.

Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges (1648 - 1848)

Das Ende dieses Krieges 1648 bedeutete für Deutschland einen weitgehenden Verlust seines Zugangs zur See. Die Niederlande wurden unabhängig und viele Häfen an Nord- und Ostsee kamen unter dänische oder schwedische Herrschaft. Damit endeten für genau 200 Jahre alle Versuche einer einheitlichen Deutschen Marine. Es entwickelte sich keine deutsche Marinekontinuität, wie man sie in anderen Ländern findet.

Das lag auch daran, dass das HRR im Mittelalter einen großen Teil seiner zentralstaatlichen Gewalt an die Reichsfürsten verloren hat. Die Stellung des Kaisers hing von seiner eigenen Hausmacht ab. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts waren die Habsburger fast ununterbrochen römisch-deutsche Kaiser, bis das Heilige Römische Reich Deutscher Nation 1806 unterging.