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Bundeswehr

Geschichte der Deutschen Marine

Gesamtdeutsche Flotten  1848 - 1945

Reichsflotte (1848 - 1853)

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte sich immer stärker bemerkbar, dass die Vorsorge nicht ausreichte um Deutschlands maritime Interessen abzusichern. Denn um 1840 drangen nordafrikanische Piraten bis in die Nordsee vor und brachten deutsche Handelsschiffe auf. Nur mit Hilfe Großbritanniens - und gegen Bezahlung - konnten sie vertrieben werden. Das Scheitern, der insbesondere von Preußen verfolgten Politik des Seehandels ohne militärischen Schutz, wurde spätestens 1848 im Schleswig-Holsteinischen Krieg offenbar.

Die Schutzmächte, auf die man vertraut hatte, vielen nach und nach aus. Die Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien bestand bereits seit 1837 nicht mehr, Luxemburg war 1839 vom Deutschen Bund abgetrennt worden und Dänemark war Kriegsgegner. Dass dieses kleine Land den Mächten Österreich und Preußen militärisch entgegentreten konnte, lag nicht nur an der März-Revolution in Deutschland sondern vor allem am völligen Fehlen deutscher Seestreitkräfte in Nord- und Ostsee. Innerhalb weniger Tage kam der deutsche See- und Küstenhandel zum Erliegen.

Die erst am 18. Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche zusammengetretene Nationalversammlung beschloss schon am 14. Juni des gleichen Jahres in einer ihrer ersten Entscheidungen, eine deutsche Flotte aufzustellen und dafür 6 Millionen Reichstaler bereit zu stellen. Die Leitung der Technischen Marinekommission wurde Prinz Adalbert von Preußen übertragen, dessen "Denkschrift über die Bildung einer deutschen Flotte" (Potsdam 1848) bis heute Beachtung findet. Tatsächlich kam es am 4. Juni 1849 zu einem Seegefecht dieser Reichsflotte unter Admiral Brommy mit den Dänen. Nach dem Scheitern der Revolution wurde die Reichsflotte jedoch schnell wieder aufgelöst und ihre letzten Schiffe 1853 versteigert.

Teilweise unabhängig von der Reichsflotte operierte die Schleswig-Holsteinische Flottille der Aufständigen in Schleswig-Holstein in der Ostsee und nach Einstellung der Kampfhandlungen durch die Reichsflotte auch in der Nordsee.

Preußische Marine (1866 - 1871)

Die Lehren aus dem Krieg gegen Dänemark führten in Preußen zum Ausbau der Marine unter der Leitung von Prinz Adalbert. Die Preußische Marine war zwar keine gesamtdeutsche Marine, aber Vorgängerin aller späteren deutschen Flotten. 1853 wurde von Oldenburg das Jadegebiet erworben, auf dem in den folgenden Jahren die Stadt und der Stützpunkt Wilhelmshaven entstanden.

Zwar war auch diese Marine im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 noch nicht in der Lage, der dänischen Marine allein entgegen zu treten, jedoch konnte mit Hilfe eines Geschwaders der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine unter Linienschiffskapitän Wilhelm von Tegetthoff ein ähnliches Debakel wie 1848 vermieden werden. Auch im Deutschen Krieg 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 spielte die Marine nur eine untergeordnete Rolle.

Kaiserliche Marine (1871 - 1918)

Die Marine des 1871 entstandenen deutschen Kaiserreichs nahm zunächst nur einen langsamen Aufschwung. Sie war in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts an der Gewinnung einiger Kolonien in Afrika, Asien und Ozeanien beteiligt und repräsentierte das neue Reich in vielen Teilen der Welt, ohne sich mit den Marinen der anderen großen Mächte messen zu müssen.

Erst unter Kaiser Wilhelm II. und dem Staatssekretär im Reichsmarineamt Alfred von Tirpitz begann der schnelle Aufbau einer großen Flotte. In den 90er Jahren entstanden die Pläne für den Bau der Hochseeflotte, die Deutschland in eine Reihe mit den großen Seemächten, hinter England und den USA, treten lassen sollte.

Auf Grund einer fehlerhaften Konzeption gelang es nicht, mit der Hochseeflotte eine Kriegsentscheidung gegen Großbritannien zu erzwingen. Zwar konnten der Royal Navy in der Skagerrak Schlacht empfindliche Verluste zugefügt werden, die Wende im Krieg blieb jedoch aus. Der 1917 erklärte uneingeschränkte U-Bootkrieg brachte zwar Erfolge gegen Großbritannien, war aber auch der Grund, warum die USA 1917 gegen Deutschland in den Krieg eintraten.

Eine schlechte Versorgungslage und der Befehl, zu einer letzten Schlacht auszulaufen, führten im Herbst 1918 zu einem Matrosenaufstand (Kieler Matrosenaufstand November 1918) in der Hochseeflotte, der zur Novemberrevolution in Deutschland und damit zugleich zum Ende der Monarchie und des Ersten Weltkriegs führte. Nach Kriegsende kam es zu Selbstversenkung der Hochseeflotte am 21. Juni 1919 im schottischen Scapa Flow.

Reichsmarine (1919 - 1935)

Nach dem Versailler Vertrag durfte Deutschland nur eine kleine Marine unterhalten. Die Personalstärke dieser Reichsmarine war auf 15.000 Mann beschränkt und für den Schiffsbestand gab es strenge Auflagen hinsichtlich Größe, Anzahl und Erneuerung. Flugzeuge und U-Boote waren nicht erlaubt.

Reichspräsident Friedrich Ebert wollte zunächst auf den Wiederaufbau einer Marine ganz verzichten. Angesichts der ohnehin schwachen Streitkräfte, die der Versailler Vertrag Deutschland zugestand, erschien es nicht vertretbar, auch noch auf Teile dieser Kräfte freiwillig zu verzichten. Hinzu kam der Druck der Siegermächte, die Ost- und Nordsee von Seeminen zu säubern.

Auf Grund des Gesetzes über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr, das die Nationalversammlung am 16. April 1919 billigte, entstand zunächst die vorläufige Reichsmarine. Ihre Aufgaben waren Minenräumen, Küstensicherung, Fischereischutz, Seepolizei und Unterstützung der Handelsschifffahrt.

Das Verhalten der Marineführung während des Kapp-Putschs (März 1920) und geheime Rüstungsprojekte, brachten die Reichsmarine immer wieder in die negativen Schlagzeilen. Zwischen 1922 und 1932 bemühte sich die Marineleitung um die Modernisierung ihres Schiffsbestandes und die Lockerung der Versailler Beschränkungen. Sie setzte dabei auf politische Veränderungen und technische Neuerungen.

Am 26. Juli 1932 verkündete Reichswehrminister von Schleicher, dass sich Deutschland nicht mehr an die Beschränkungen des Versailler Vertrags gebunden fühle und genehmigte für die Marine einen Umbauplan, der ihre Vergrößerung, den Ausbau der Bewaffnung über das bisher erlaubte Maß und insbesondere die Schaffung einer U-Boot-Waffe und einer Marineluftwaffe einschließlich eines Flugzeugträgers vorsah. Damit waren für die Reichsmarine noch vor dem Ende der Weimarer Republik die Voraussetzungen geschaffen, eine für die Verteidigungsaufgaben des Reichs angemessene Kampfkraft aufzubauen.

Kriegsmarine (1935 - 1945)

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933, begann die Wiederaufrüstung Deutschlands. Am 1. Juni 1935 wurde die Reichsmarine in Kriegsmarine umbenannt und sollte nach dem so genannten Z-Plan, bis 1947 eine große Zahl neuer Schiffe erhalten - darunter Schlachtschiffe, Flugzeugträger und U-Boote. Das Flottenabkommen mit Großbritannien vom 18. Juni 1935, erlaubte allerdings nur den Aufbau einer Flotte von 35% der britischen Überwassertonnage.

Im Spanischen Bürgerkrieg beteiligte sich die Kriegsmarine im Mittelmeer zusammen mit Seestreitkräften Großbritanniens, Italiens und Frankreichs an der internationalen Seeblockade zur Durchsetzung eines Waffenembargos gegen Spanien. Gleichzeitig griff sie aktiv in den Krieg ein, u. a. durch den Beschuss Almerias am 31. Mai 1937 und belieferte die Putschisten mit Waffen.

Von den Rüstungsplänen war bei Kriegsbeginn 1939 noch zu wenig umgesetzt, als dass die Kriegsmarine für den zweiten Weltkrieg vorbereitet gewesen wäre. Gleichwohl war sie daran von der ersten Minute an beteiligt. Es war das Linienschiff Schleswig-Holstein, das am 1. September 1939 um 4:45 Uhr in Danzig das Feuer auf die Westerplatte eröffnete.

Auf Grund der Unterlegenheit bei den größeren Kampfschiffen, deutlich sichtbar durch frühe Verluste ("Graf Spee" 1939, "Blücher" 1940, "Bismarck" 1941), verlegte sich die Kriegsmarine mehr und mehr auf den U-Boot-Krieg, maßgeblich forciert durch deren Befehlshaber Admiral Karl Dönitz.

Hitler wollte nach einigen Debakeln der Flotte im Nordmeer, die großen Einheiten sogar verschrotten lassen. Erich Raeder bat Ende 1943 um seinen Rücktritt und Admiral Dönitz wurde Oberbefehlshaber der gesamten deutschen Kriegsmarine. Erst auf seine Initiative konnten die verbliebenen Großkampfschiffe erhalten bleiben. Von nun an lagen Schiffe wie die "Tirpitz" und "Gneisenau", nahezu untätig in Norwegen. Daneben machte die Küstenkriegführung mit kleinen Fahrzeugen wie Minensuchbooten und Schnellbooten einen Großteil der deutschen Marineaktivitäten im zweiten Weltkrieg aus.

Trotz anfänglicher Erfolge, die Großbritannien zeitweise in eine Versorgungskrise brachten, gelang es nicht, den Gegner mit U-Booten in die Knie zu zwingen. Wie im ersten Weltkrieg beherrschten die Alliierten die See und schnitten Deutschland von überseeischer Versorgung ab. Der damit verbundene Mangel an Ressourcen für die Kriegführung war einer der Gründe dafür, dass der Krieg nicht zu gewinnen war.

In den letzten Kriegswochen und zum Teil über das Kriegsende hinaus, beteiligte sich die Marine maßgeblich an der Rückführung deutscher Truppen und die Evakuierung ziviler Flüchtlinge über die Ostsee. Zusammen mit der Handelsmarine und unter erheblichen Verlusten (z.B. Versenkung der "Wilhelm Gustloff") gelang es, über zwei Millionen Menschen vor der Roten Armee zu retten - die größte Evakuierung in der Geschichte der Menschheit.