Logo RK Marine Kiel

Bundeswehr

Die "Wäsche achtern" ...

... oder wie zieht sich Frau oder Herr Matrose richtig an

Mit dem Begriff "Wäsche achtern", bezeichnet man den Matrosenanzug. Dieser hat im Gegensatz zu Hemd und Krawatte, den Kragen hinten. Wenn man sich die Matrosenblusen der Marinesoldaten anschaut wird man feststellen, dass es verschiedene Knoten und Fliegen gibt - große, kleine, lange, breite, die Fliege als Strich, die Fliege als Andreaskreuz, eine Schummel-Fliege und, und, und. Kann das so richtig sein? Ist denn nicht alles in der Bundeswehr geregelt? Dieser Beitrag soll versuchen, etwas Licht ins Dunkle zu bringen.

Geschichte

Seit dem 15. Jahrhundert trugen Seefahrer einen Kittel und eine weite wadenlange Hose. 1623 wurden in der englischen Marine erstmals fertige Kleidungsstücke für die Schiffsbesatzungen ausgegeben (Leinene Jacken, Hosen aus Baumwolle, Westen, Hemden, Strümpfe, Schuhzeug und Mützen). Im 18. Jahrhundert gab es feste (nationale) Vorschriften für die Kleidung der Matrosen, z.B. blaue Jacke, hellblaue Weste, weiße Hose und blaue Strümpfe. Etwa 1830 wurde dann ein dunkelblauer (marineblau) Anzug zum Modell des Matrosenanzugs: Lange weite Hose ohne Latz und ein Kittel mit breitem eckigem Rückenkragen (Exerzierkragen), der bei echten Matrosen ein Besatz aus Leder war, um die Kleidung beim Ziehen der Taue vor Teer zu schützen.

Frontansicht Matrosenkragen Rückansicht Matrosenkragen

Der charakteristische Kragen entwickelte sich aus Tüchern, die Matrosen der preußischen Marine über ihrer Jacke trugen, um eine Verschmutzung durch den vorgeschriebenen und oftmals mit einer geteerten Schnur umwickelten Zopf zu vermeiden.

1857 bekam der Kragen des Exerzierkittels der Matrosen der Royal Navy drei weiße Streifen. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Streifen an die drei siegreichen Seeschlachten von Admiral Nelson gegen die Flotte Napoleons (Abukir, Kopenhagen und Trafalgar) erinnern sollen. Die Royal Navy sieht allerdings keinen Zusammenhang mit den berühmten Schlachten des Admirals Nelson.

Die festgenähte Krawatte entstand aus dem Halstuch der Matrosen. Angeblich drückt das traditionelle Schwarz dieses Tuchs die Trauer über den Tod Nelsons im Jahr 1805 aus.

Die deutsche Marine führte 1872/73 den eingewebten, blauen Diagonalstreifen ein, der von rechts oben nach links unten verläuft und das Seidentuch als fiskalisches Eigentum kennzeichnete. Zwischen 1939 und 1945 wurde in der Kriegsmarine der blaue Streifen unterschiedlich getragen. Angehörige der Nordseeeinheiten trugen den Streifen von rechts unten nach links oben verlaufend; die Angehörigen der Ostseeeinheiten trugen den Streifen von links unten nach rechts oben.

Die deutsche Matrosenkleidung wurde im Deutschen Reich zentral in Kiel hergestellt, weshalb sie den Beinamen "Kieler Anzug" erhielt. In den USA wurde die Kleidung der Matrosen erstmals 1817 genau festgelegt.

Der Matrosenknoten

Dieser - aus einem Dreiecktuch gefertigte - traditionell von Hand gebundene Schifferknoten muss so gebunden werden, dass der blaue Diagonalstreifen von links unten nach rechts oben verläuft. Auf dem unteren Teil befindet sich eine weiße Schleife in Form eines Andreaskreuzes, die so genannte "Fliege".

Dieser Knoten (Aussehen und Herstellung) wird schon seit 1873 in der deutschen Marine verwendet und hat die Kaiserliche Marine, die Reichsmarine, die Kriegsmarine und die Bundesmarine (1977 sollte die Matrosenuniform abgeschafft werden) bis heute überlebt.

Aussagen aus der Vorschrift (Dienstvorschriftengeschichte der Bundeswehr)

Die Vorschriftentexte der Bundeswehr sind nicht immer einfach zu lesen. Am Beispiel des Matrosenknotens lässt sich erkennen, dass das richtige Binden und Anlegen dieses Teils der Dienstuniform bis heute nur durch traditionelle Überlieferung möglich ist. Hierzu muss man wissen, dass die Maaten und Obermaaten bis 1971 ebenfalls noch die "Wäsche achtern" getragen haben und das Seidentuch noch quadratisch war.

Blaues Matrosenhemd Weißes Matrosenhemd Matrosenmütze

Ergänzende Artikel