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Bundeswehr

Untergang von U Hai (S 170)

Die U-Boot-Klasse XXIII, offiziell Typ XXIII genannt, war ein deutscher U-Boot-Typ gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie wurde aufgrund ihrer geringen Größe als Küsten-U-Boot eingestuft. Nach dem Krieg hob die deutsche Bundesmarine zwei Boote dieses Typs und stellte sie als U-Boot-Klasse 240 wieder in Dienst; 'U Hai' (S 170) und 'U Hecht' (S 171).

U Hai (S 170) und U Hecht (S 171)

Einsatz bei der Kriegsmarine

Das Boot wurde am 2. März 1945 in Dienst gestellt und gehörte zur 4. U-Flottille. Aufgrund der fortgeschrittenen Situation und der sich überschlagenden Ereignisse der letzten zwei Kriegsmonate, erfolgten bei der Kriegsmarine keine Einsätze mehr. Das Boot wurde schließlich im Rahmen der Operation Regenbogen (jedoch erst vier Tage später) im Kattegat selbstversenkt.

Einsatz bei der Bundesmarine

Das Bundesverteidigungsministerium erteilte der Hamburger Bergungsfirma Beckedorf erst nach der am 5. Mai 1955 abgegebenen Souveränitätserklärung für die Bundesrepublik Deutschland den Auftrag, das im Kattegat nahe der Insel Anholt auf dem Meeresgrund liegende U 2365 ausfindig zu machen und zu heben. Der letzte Kommandant ließ seinerzeit das Boot vorsichtig absinken, nachdem vorher noch Öl-Behälter geöffnet wurden, damit sich deren Inhalt verteile und eine gewisse Rostschutzwirkung ausübe. Im Juni 1956 wurde das U-Boot aus mehr als 50 m Wassertiefe wieder ans Tageslicht gehoben. Das Boot war dank der "Öl-Behandlung" noch in erstaunlich gutem Zustand, so dass es in weniger als einem Jahr von den Kieler Howaldtswerken vollständig überholt und in leicht veränderter Ausführung an die Bundesmarine ausgeliefert werden konnte.

U Hai (S 170)
U Hai (S 170)

Die Bugnase war für die Aufnahme eines neuen aktiven akustischen Ortungsgerätes etwas verändert worden, außerdem bekam es eine Ankervorrichtung, die beim Typ XXIII nicht vorhanden gewesen war. Die Bundesmarine stellte es unter dem neuen Namen 'U Hai' (S 170) am 15. August 1957 als Schul-U-Boot unter Führung von Kapitänleutnant Ehrhardt in Dienst. Heimathafen war zunächst Flensburg Mürwik, später dann Neustadt in Holstein.

Der Untergang von U Hai

U Hai (S 170)

Auf einer Übungsfahrt nach Aberdeen, in Schottland, geriet der U-Boot-Lehrverband, bestehend aus 'U Hai', dem Schwesterboot 'U Hecht', 'U 3', Tender 'Lech' und dem Sicherheitsboot 'Passat', in einen heftigen Sturm. Wegen des starken Seegangs hatte der Schiffsverband Mühe zusammen zu bleiben. Vor allem die U-Boote kamen kaum gegen die fünf Meter hohen Wellen an. Deshalb drifteten die Boote immer weiter auseinander und verloren bald den Sichtkontakt.

Am 14. September 1966 kurz nach 22 Uhr, etwa 138 sm nordwestlich von Helgoland im Gebiet der Doggerbank, begann die Katastrophe: Durch einen defekten Schnorchel, der das Boot mit Luft versorgen sollte, drang Wasser in den Dieselraum ein. Schnell wurde das Boot hecklastig und drohte zu kentern, so dass Kommandant Wiedersheim den Befehl gab: "Alle Mann von Bord!". Als letzter verließ Obermaat Peter Silbernagel (Smut) die sinkende 'U Hai'; sechs Marinesoldaten befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch im Bootsinneren.

U Hai (S 170)

Von dem Unglück bekam weder der Verband noch die Marineleitung etwas mit. Ob nun wegen Ausfall der Technik oder wegen dem schnellen Untergang kein Funkspruch mehr gesendet wurde, ließ sich nicht feststellen. Auch der fehlende Einsatz von Seenotsignalmitteln konnte nicht geklärt werden. Diese hätten in einem Gebiet mit vielen Fischern, zu einer schnellen Such- und Rettungsaktion geführt.

Die Marineleitung reagierte auch nicht, als sich 'U Hai' nicht routinemäßig wenigen Stunden später melden sollte und es nicht tat. Und der Verband war mit der Bergung von 'U Hecht' beschäftigt, in deren Schraube sich einer der eignen Festmacher befand. Dieser wurde in einem Lager im Turm aufbewahrt, dessen Klappe während des Sturms beschädigt wurde und der - scheinbar ungesichert - Festmacher wurde heraus gespült.

Mit einem luftgefüllten Tauchretter als Schwimmweste kämpfte OMt Peter Silbernagel 14 Stunden um sein Leben, bis der britische Fischtrawler 'St. Martin' ihn entdeckte und an Bord nahm. 'U Hai' war inzwischen auf eine Wassertiefe von 40 Metern gesunken. Die anderen 13 U-Boot-Fahrer, die sich aus dem Bootsinneren retten konnten und in die Nordsee gestürzt hatten, waren mittlerweile ertrunken oder erfroren.

Erst jetzt, 14 Stunden später, erfuhren der Verband und die Marineleitung von dem Unglück, als von dem Fischtrawler 'St. Martin' ein SOS über die Küstenfunkstationen an alle Boote und Schiffe gesendet wurde.

U Hai (S 170)

Das Wrack wurde fünf Tage später durch den Bergekran 'Magnus III' gehoben, zur Untersuchung nach Emden geschleppt und dort abgewrackt. Am 24. September 1966 erfolgte die offizielle Außerdienststellung.

Die Unfallursache lag bei einem fehlerhaft umkonstruierten Ansaugstutzen für den Dieselmotor. Außerdem waren die Dienstvorschriften nicht an die durch den Umbau notwendig gewordene veränderte Handhabung angepasst worden.

Die Glocke von 'U Hai' befand sich in der Halle des Marine Ehrenmals in Laboe. Sie wurde in den 70er Jahren von Unbekannten aus der Halle entwendet. Seitdem befindet sich eine Nachbildung an ihrer Stelle.