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Maritimes

Windjammer

Passat

Passat
Schiffstyp:Viermastbark
Schiffsklasse:Frachtsegler
Segelschulschiff (ab 1925)
Kiellegung:02.03.1911
Stapellauf:20.09.1911
Indienststellung:25.11.1911
Bauwerft:Blohm & Voss
Hamburg, Deutschland
Baunummer:208
Länge über alles:115,00 m
Breite:  15,50 m
Tiefgang:    7,00 m
Wasserverdrängung:-
Masthöhe über Wasser:56,00 m (über KWL)
Segelfläche:4.000 qm
Maschinenanlage:6 Zyl. Krupp-Diesel (seit 1951)
Leistung:662 kw (900 PS)
Höchstgeschwindigkeit:ca.   6,50 kn  unter Motor
ca. 16,40 kn  unter Segeln
Besatzung:25 - 35 Mann Stammbesatzung
       86 Kadetten
Nation:Deutschland
Heimathafen:Travemünde
Eigner:Hansestadt Lübeck
Verwendung:Museumsschiff

Geschichte

1910 ging das Fünfmast-Vollschiff 'Preußen' der Reederei F. Laeisz verloren. Wegen des Rückgangs der Frachtsegelschifffahrt und mangelndem Frachtangebot für Großsegler auf den Reisen nach Südamerika, gab F. Laeisz bei der Hamburger Werft Blohm & Voss als Ersatz die beiden kleineren Viermastbarken 'Passat' und 'Peking' in Auftrag, deren Ladekapazitäten nur etwa halb so groß waren. Am 2. März 1911 wurde die 'Passat' auf Kiel gelegt und beim Stapellauf am 20. September 1911, nach dem Passatwind benannt.

Am 24. Dezember 1911 lief die 'Passat' zu ihrer Jungfernfahrt von Hamburg um Kap Hoorn nach Chile aus. In der Folge wurde die 'Passat' zwischen Europa und Lateinamerika eingesetzt. Sie zeigte dabei ausgezeichnete Segeleigenschaften. In ihrer goldenen Zeit erreichte die 'Passat' unter 4.600 qm Segelfläche eine Geschwindigkeit von bis zu 18 Knoten und bot dadurch der zunehmenden Dampfschifffahrt eine ernstzunehmende Konkurrenz.

1914 blieb das Schiff in der Folge des Ersten Weltkriegs sieben Jahre (nach anderen Angaben fünf Jahre) im Hafen von Iquique in Chile und kehrte erst im Mai 1921 nach Europa (Marseille) zurück. Dort wurde die 'Passat' als Kriegsentschädigung an Frankreich abgetreten. Da der französische Staat keinen Bedarf an dem Schiff hatte, wurde es zum Verkauf gestellt. Die Reederei F. Laeisz erwarb daraufhin im Dezember 1921 ihr Schiff zum Preis von 13.000 Britischen Pfund zurück und setzte es ab dem folgenden Jahr wieder in der Salpeterfahrt ein.

Im Jahre 1925 erfolgte der Umbau zum Schulschiff. Durch ihre Geschwindigkeit war die 'Passat' in dieser Zeit rentabler als jedes Dampfschiff. Im August 1928 kollidierte sie mit dem französischen Dampfschiff Daphne und musste zur Reparatur auf die Werft nach Rotterdam. Im Juni 1929 kam es zu einem erneuten Unfall, diesmal stieß die 'Passat' an Backbord mit dem englischen Dampfschiff British Governor zusammen. Wieder wurde sie auf die Werft nach Rotterdam gebracht.

Als die Salpeterfahrten durch die großtechnische Herstellung (Haber-Bosch-Verfahren, Ostwald-Verfahren) von Natriumnitrat unrentabel wurden, verkaufte F. Laeisz die 'Passat' 1932 an den finnischen Reeder Gustaf Erikson. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde das Schiff auf sieben Fahrten nach Australien eingesetzt. 1934, 1937 und 1938 gewann sie dabei die Weizenregatta, ein inoffizielles, aber sehr prestigeträchtiges Wettrennen der frachtfahrenden Großsegler von Europa nach Australien und mit einer Weizenladung über Kap Hoorn zurück nach Europa.

1939 ging das Schiff auf der Reede seines Heimathafens vor Anker, wurde 1944 nach Stockholm geschleppt und dort als Getreidespeicher eingesetzt. Nach 1947 unternahm die 'Passat' noch eine letzte Fahrt unter finnischer Flagge. Dann starb Gustaf Erikson, und seine letzten drei Windjammer wurden verkauft. Die 'Passat', ebenso wie die 'Pamir', wurden als Lagerraum an die britische Regierung verchartert.

Als die Charter 1951 ablief, wurden die beiden Schiffe an belgische Abwracker verkauft. Eine Interessengemeinschaft um Kapitän Helmut Grubbe und den Lübecker Reeder Heinz Schliewen rettete die beiden Schiffe und überführte sie nach Kiel, das sie am 25. September 1951 erreichten. In der Folge wurden die Schiffe bei den Howaldtswerken in Kiel zu frachtfahrenden Segelschulschiffen umgebaut. Um in Zukunft Schlepperkosten zu sparen, erhielt die 'Passat' einen Hilfsmotor - einen früheren U-Boot-Diesel mit 900 PS. Größere Veränderungen waren außerdem nötig, um den Sicherheitsstandards des neu gegründeten Arbeitsausschuss "Segelschulschiffe" des Bundesverkehrsministeriums zu genügen.

Beide Viermastbarken wurden in den nächsten Jahren wieder in Betrieb genommen. Auf den Fahrten wurden nun zusätzlich Berufsschiffer seemännisch ausgebildet. Unter Kapitän Herrmann Heuer brach die 'Passat' am 12. Februar 1952 zu ihrer ersten Fahrt als deutsches Segelschulschiff auf und fuhr mit 54 Kadetten an Bord von Brake nach Südamerika. Im Dezember 1952 ging es von der Ostküste Südamerikas nach Aarhus (Dänemark). Doch es kam erneut zu Finanzierungsschwierigkeiten. Im Februar 1953 musste die Reederei Schliewen Konkurs anmelden und die 'Passat' wurde nach Travemünde überführt.

Im Dezember 1954 wurde die 'Passat' von der "Stiftung Pamir und Passat" übernommen, die von einem Konsortium von 40 deutschen Reedern gegründet worden war. Unter der Kontorflagge von Zerssen & Co. wurde die 'Passat' wieder zwischen Europa und Südamerika (Argentinien und Uruguay) eingesetzt.

Wenige Wochen nach dem Untergang der 'Pamir' am 21. September 1957, überstand die 'Passat' Anfang November auf der Heimreise von Buenos Aires selbst nur knapp einen schweren Sturm. Südwestlich der Biscaya geriet sie in einen Orkan, den sie vier Tage lang abreiten musste. Dabei verrutschte ihre Gersteladung und sie erhielt zunehmend starke Backbord-Schlagseite. Anders als auf der 'Pamir' konnte auf der 'Passat' aber unter anderem der Steuerbord-Tieftank geflutet werden. Das Schiff behielt zwar weiterhin eine sehr gefährliche Schräglage und lief die letzten eineinhalb Tage unter Kentergefahr, konnte aber dem Untergang entgehen. Mit ca. 50-55° Schlagseite lief die 'Passat' am 8. November 1957 in Lissabon als Nothafen ein. Nach Umladen der Gerste konnte die 'Passat' aus eigener Kraft nach Hamburg weitersegeln. Dort wurde sie nach Löschen der Ladung ausgemustert und aufgelegt - ihr drohte erneut das Abwracken.

1959 wurde die 'Passat' für 157.500 € von der Hansestadt Lübeck gekauft. 1960 erhielt sie ihren heutigen Liegeplatz am Priwallufer in Travemünde, nahe der Mündung der Trave. Die 'Passat' wurde zunächst als Schulstätte für die Schleswig-Holsteinische Seemannsschule und 1966 als Museum und internationale Begegnungsstätte - zum Beispiel im Rahmen des Jugendaustausches des Deutsch-Französischen Jugendwerkes - in Betrieb genommen.

In späteren Jahren diente das Schiff als Jugendherberge. Die 'Passat' wurde komplett mit Toiletten, Waschräumen und Duschen ausgerüstet. Da die 'Passat' nun festlag, wurde auch permanent Frischwasser (Trinkwasser) vom Land genutzt. Dennoch erinnert weiterhin viel an das frühere Leben auf dem Schiff, nicht nur die relative Enge der Gruppen-Unterkünfte. So sind noch immer die Schweineställe auf dem Vorschiff zu sehen, in denen in den aktiven Zeiten des Schiffs Lebendvieh als Ergänzung des Proviants gehalten wurde.

1978 wurde das Schiff als Beispiel deutscher Seefahrtsgeschichte unter Denkmalschutz gestellt. Ein Jahr später wurde von Mitgliedern des Lübecker Sportausschusses der Verein "Rettet die Passat e.V." gegründet, der seither für den Erhalt der 'Passat' arbeitet.

Von 1997 bis 1998 wurde die 'Passat' für 3,6 Millionen € einer Grundinstandsetzung unterzogen. Unter anderem wurden 5.000 der 24.000 Nietköpfe des Schiffes von außen nachgeschweißt, und rund 1.000 Löcher in Blechen auf dem Schiff wurden repariert. Außerdem wurden die beiden Anker des Schiffes geborgen, die seit Jahren auf dem Grund der Trave lagen.

Seither steht die 'Passat' wieder als Veranstaltungsort, Museumsschiff und im Sommer für Schulklassen als Jugendherberge zur Verfügung. Das Schiff bietet 106 Betten in 35 Zimmern und drei Gruppenräume. Montags und Dienstags kann auf der 'Passat' geheiratet werden.

Das Schiff ist nach wie vor schwimmfähig, aber nicht mehr fahrtauglich - der mit Schweißarbeiten reparierte Stahlrumpf ist nicht mehr flexibel genug, um der Gewalt von Wellen auf der offenen See standzuhalten. Viele Lübecker und Besucher haben den Wunsch geäußert, das Schiff wieder in einen fahrttüchtigen Zustand zu versetzen und als Segelschiff einzusetzen. Es wurde auch ein Verein zu diesem Zweck gegründet, allerdings hat die Stadt Lübeck vor allem wegen der ungewissen Finanzierung entsprechende Pläne stets abgelehnt. Der Verein "Passatwind e.V." hat sich daraufhin den Neubau einer Dreimastbark unter dem Namen 'Passatwind' zum Ziel gesetzt; die Konstruktionspläne nehmen sich das 1953 in Hamburg gebaute indonesische Schulschiff Dewaruci zum Vorbild. Zur Zeit soll außerdem von einem wohlhabenden Reeder eine Kopie des Schiffes gebaut werden, das anstatt der 'Passat' als aktives Segelschiff auf Fahrt gehen soll.

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