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Windjammer

Alexander von Humboldt

Alexander von Humboldt
Schiffstyp:Dreimastbark
Schiffsklasse:Segelschulschiff
Kiellegung:??.??.1906
Stapellauf:10.09.1906
Indienststellung:-
Bauwerft:Weserwerft (spätere AG Weser)
Bremen, Deutschland
Baunummer:155
Länge über alles:62,55 m
Breite:  8,02 m
Tiefgang:  4,88 m
Wasserverdrängung:829 t
Masthöhe über Wasser:34,00 m
Segelfläche:1.035 qm (25 Segel)
Maschinenanlage:4-Takt-MAN-Dieselmotor
Leistung:375 kw (510 PS)
Höchstgeschwindigkeit:-
-
Besatzung:25 Mann Stammbesatzung
35 zahlende Mitsegler
Nation:Deutschland
Heimathafen:Bremerhaven
Eigner:Deutsche Stiftung Sail Training
Verwendung:Charterschiff für Jugendsegeln

Geschichte

Das Schiff wurde im Jahr 1906 als Reserve-Feuerschiff vom preußischen Seefahrtministerium geplant und in Auftrag gegeben. Am 10. September 1906 lief es bei der Bremer Weserwerft vom Stapel. Es war das erste von vier Schwesterschiffen; die anderen drei waren die Norderney (I) (heute Museumsschiff in Wilhelmshaven), die Norderney (II) und die Amrumbank (I) (beide im Zweiten Weltkrieg zerstört).

Planungsgrundlage war, wie bei vielen anderen Feuerschiffen auch, ein seetüchtiger Segelschiffsrumpf (oft nach dem führenden Konstrukteur bei Tecklenborg, Dr.-Ing. h. c. Georg Wilhelm Claussen, "Claussen-Rumpf" genannt), auf den aber anstelle dreier normaler Segelmasten zwei Segelmasten (Fock- und Besanmast) und ein Laternenmast auf Großmastposition aufgesetzt wurde. Feuerschiffe dieser Zeit waren quasi als Schoner getakelt, d. h. sie hatten für alle Masten auch die entsprechenden Segel an Bord. Wie alle Feuerschiffe war es rot gestrichen und trug weiße Schriftzeichen.

Zweck eines Reservefeuerschiffes war die Vertretung eines "Stamm-Feuerschiffes" während der jährlichen Werftliegezeiten. Auf welchen Namen es genau getauft wurde, ist nicht ganz geklärt. Sowohl der Name Reserve Fehmarnbelt (nach dem ersten Einsatzort), als auch Reserve Sonderburg tauchen auf. Anhand der Schiffsglocke ist allerdings die letztgenannte Möglichkeit, also einfach Reserve mit Heimathafen Sonderburg, am ehesten anzunehmen. Ab 1920, nachdem Sonderburg dänisch wurde, hieß das Schiff Reserve Holtenau.

Am 17. September 1986 kam es auf der "Weser-Station" mit liberianischem Motorschiff Ocean Wind zu einer Kollision. Wegen der Schäden wurde es am 23. September 1986 außer Dienst gestellt und zur Reparatur nach Wilhelmshaven gebracht. Dort wurde das Schiff in Confidentia umbenannt und anschließend nach Bremerhaven überführt.

Nach ihrer Außerdienststellung wurde das Feuerschiff bereits am 30. September von der "Deutsche Stiftung Sail Training", einer Stiftung zur Förderung des Jugendsegelns (getragen u. a. vom Automobil-Spediteur E. H. Harms GmbH & Co. und der Brauerei Beck & Co.) gekauft. Die Stiftung ist in der "Sail Training Association Germany (STAG)" organisiert, einem nationalen Zusammenschluss von Segelschulschiffen. Sie ließ das Schiff mit viel Eigeninitiative und in Zusammenarbeit mit den MWB Motorenwerken Bremerhaven für 1,1 Millionen € zu einem Großsegler umbauen.

Als Referenz an die Segelschiffe der Rickmers Reederei wurde der Rumpf dauerhaft grün gestrichen. Nach der Probefahrt am 3. März 1988 erfolgte am 20. Mai 1988 die Taufe das fertigen Schiffs nach dem deutschen Naturforscher auf den Namen 'Alexander von Humboldt' (oft kurz "Alex" genannt) und damit die offizielle Indienststellung durch die "Deutsche Stiftung Sail Training". Die Laterne des Feuerschiffes wurde vor dem Kieler SchifFfahrtsmuseum (ehemaligen Fischhalle unmittelbar am Kieler Hafen) aufgestellt.

Seit ihrem Umbau hat die 'Alexander von Humboldt' weit über 300.000 Seemeilen zurückgelegt, dies entspricht etwa dem vierzehnfachen Äquatorumfang. Höhepunkte sind jedes Jahr die Tall Ships' Races (früher Cutty Sark Tall Ships' Races), Regatten, bei denen sich vor allem Großsegler und speziell deren jugendliche Mannschaften aus aller Welt treffen, sowie die Wintertörns um die Kanarischen Inseln herum. Im Sommer segelt das Schiff hauptsächlich in Nord- und Ostsee. Die 'Alexander von Humboldt' dient des weiteren als "Windjammer für die Jugend" als Segelschulschiff für zahlende Gäste allen Alters, die das Segeln auf Großseglern erlernen wollen.

Eine der weitesten Reisen führte die 'Alexander von Humboldt' auf von Humboldts Spuren (zum Gedenken an dessen Südamerika-Expedition vor 200 Jahren von 1799-1804) nach Südamerika und in die Karibik von Oktober/November 2003 bis Mai 2004.

Zur Feier der Indienststellung vor 100 Jahren startete die 'Alexander von Humboldt' im Herbst 2005 erneut zu einer Reise nach Südamerika. Die einzelnen Stationen der Jubiläumsreise waren Bremerhaven, St. Malo, Lissabon, Kanarische Inseln, Kapverdische Inseln, Rio de Janeiro, Buenos Aires, Ushuaia (Feuerland), Valparaiso, Callao, Balboa (Panama-Kanal), Havanna, Bermudas, Azoren, St. Malo und wieder Bremerhaven. Im Rahmen dieser Reise passierte das Schiff am 13. Januar 2006 um 7:03 Uhr Ortszeit Kap Hoorn, die Südspitze Südamerikas. Die 'Alexander von Humboldt' war damit der erste Großsegler unter deutscher Flagge, der seit 1949 Kap Hoorn umrundet hat. Sie passierte unter Segeln das Kap in Ost-West-Richtung, trotz Windstärke 10 Beaufort, in Böen 11 Beaufort, aus West.

International bekannt wurde das Schiff als Werbeschiff für die Brauerei Beck & Co. und für seine grünen Segel, einer Werbeaktion von Beck's Bier. Damit ist die 'Alexander von Humboldt' neben dem Segelschulschiff 'Gorch Fock' der Deutschen Marine der wohl bekannteste Rahsegler Deutschlands. Dieser Werbevertrag ist in der Zwischenzeit ausgelaufen, die Segel blieben nach der Entfernung der Werbung aber grün.

Alle Angaben sind ohne Gewähr!