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Schifffahrt

Vorfahrtsregeln auf offener See

Eigentlich ist es verkehrt auf offener See im Bereich der Kollisionsverhütungsregeln (KVR), von Vorfahrt oder Vorfahrtsrecht zu sprechen. Eigentliche gibt es im Bereich der KVR keine Rechte, sondern nur Pflichten - Kurshaltepflicht, Ausweichpflicht und die Pflicht zum Manöver des vorletzten / letzten Augenblickes.

Generell

  • Fischer und manövrierbehinderte Fahrzeuge haben Vorfahrt vor allen anderen Schiffen
  • Segelboote haben Vorfahrt vor Motorbooten
  • der Überholer hat sich frei zu halten

Motorboote unter sich

  • es gilt rechts vor links (Motorbote die von rechts kommen, ist Vorfahrt zu gewähren)
  • wenn sich zwei Motorboote entgegen kommen weicht jeder nach rechts (Steuerbord) aus

Segelboote unter sich

  • es gilt Backbordbug vor Steuerbordbug
  • bei gleichem Bug gilt Lee vor Luv (das Boot im Lee des eigenen Schiffes hat Vorfahrt)
  • ein Überholer muss den Überholten klar passieren (der Überholte wird nicht behindert)

Allgemeines

Das Boot mit Vorfahrtsberechtigung hat während des Sichtkontaktes und solange Kurskonflikte entstehen können seinen Kurs zu halten (d.h. "Kurshalter"). Wenn man seinen Kurs ändert verliert man das Vorfahrtsrecht.

Der Vorfahrtsberechtigte kann seinen Kurs ändern um eine Kollision zu vermeiden, wenn klar ist, dass der nicht Vorfahrtsberechtigte nicht entsprechend den Vorfahrtsregeln auszuweichen gedenkt. Wenn eine Kollision durch den nicht Vorfahrtsberechtigten alleine nicht mehr zu verhindern ist, muss der Vorfahrtsberechtigte sogar versuchen eine Kollision noch irgendwie zu verhindern ("Manöver des letzten Augenblicks").

Bei unklarer Lage (z.B. wenn nicht eindeutig zu erkennen ist, welche Vorfahrtsregeln gelten) ist ein Boot ausweichpflichtig.

Ein Segelboot gilt nur als Segelboot wenn es unter Segeln fährt; fährt es jedoch unter Motor, gilt es als Motorboot.

Anmerkungen

Es gibt diverse Ausnahmeregelungen, wie zum Beispiel Kursschiffe (mit oranger Kursflagge am Bug) denen auch Segelboote ausweichen müssen. Im eigenen Interesse sollte man aber nicht mit einem 10m Segelboot versuchen sein Vorfahrtsrecht gegenüber einem 100m Schiff durchzusetzen, denn größere Schiffe manövrieren wesentlich träger und sind z. T. auch tiefgangbehindert. Man sollte also nicht damit rechnen dass große Schiffe ausweichen. Außerdem sollte man nicht durch Beharren auf das Vorfahrtsrecht, andere Boote in schwierige Situationen bringen (wenn z.B. das Fahrwasser eng ist, Untiefen in der Nähe sind oder ungünstiger Wind herrscht).

Quelle:  Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Stadtentwicklung