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Sicherheit auf See

Rund um das Thema Unterkühlung

Durch starke Unterkühlung, droht einem Schiffbrüchigen oder über Bord gegangenem Lebensgefahr. Wenn die Wassertemperatur unter 25 Grad ist, reicht die Wärmeproduktion des Organismus nicht aus, um die notwendige Körpertemperatur zu erhalten. Sie sinkt umso schneller, je niedriger die Wassertemperatur ist und immer tiefer, je länger das Opfer im Wasser liegt. Sinkt die Körpertemperatur unter 33 Grad, ist der Zustand lebensbedrohlich. Bei 30 Grad wird das Opfer bewusstlos. Bei weiterer Unterkühlung folgen Schock und Tod.

Der Körper zieht durch Gefäßverengung das Blut aus der Peripherie in den Kern zurück. Dadurch werden die lebenswichtigen Organe warm gehalten und weitere Auskühlung wird verzögert. Dabei bilden sich zwei Bereiche: der warme Körperkern und die kalte Schale. Wichtig: das Blut aus den beiden Bereichen darf nicht (z.B. durch Bewegung, Aufstehen, Massage etc.) vermischt werden. Sonst tritt sofortiger Tod ein.

Unterkühlte sind Schwerverletzte und es droht Lebensgefahr!

Verhalten im Wasser

Auch nach dem Fall über Bord lassen sich die Überlebenschancen, wenn man einige wenige Regel beachtet, stark erhöhen:

"Embryo-Haltung" einnehmen - Die Arme möglichst nahe an den Körper legen, Knie leicht anziehen und sich möglichst bewegungslos treiben lassen; jede Bewegung pumpt das erwärmte, körpernahe Wasser nach außen und beschleunigt die vorzeitige Unterkühlung
keinesfalls darf man, um sich "warm zu machen", mit den Armen rudern oder Wassertreten
alle Klett- und Reißverschlüsse an den Ärmeln und Hosenbeinen so eng wie möglich schließen, um den Austausch des körpernahen Wassers zu verhindern
aus diesem Grunde darf auch erst im letzten Moment die Rettung aktiv unterstützt werden
keine Kleidung ausziehen, auch nicht die Gummistiefel

Ausnahme bei Nacht wenn:

  • eine Blitzboje hinterher geworfen wurde
  • diese in der Nähe schwimmt
  • nicht vom Wind vertrieben wird, oder gar am Schiff festgebunden ist

dann, und nur dann, zu ihr hin schwimmen und daran festhalten. Aber bei Nacht fällt man sowieso besser nicht von Bord, da die Überlebenswahrscheinlichkeit äußerst gering ist. Meistens wird man in der Dunkelheit nicht mehr gefunden.

Sofortmaßnahmen

Bei Atemstillstand:

  • Beatmung (Erfolg auch nach stunden(!)-langer Beatmung noch möglich)

Bei Herzstillstand:

  • Herzmassage

Bei Bewusstlosigkeit:

  • stabile Seitenlage (Atemwege freihalten)
  • Atmung permanent überwachen
  • nie Getränke einflössen

Erwärmen des Unterkühlten

Die Körper-Kerntemperatur muss erhalten und schnell erhöht werden. Ist die Körpertemperatur unter 33 Grad, ist der Zustand lebensbedrohlich und der Unterkühlte muss schnell erwärmt werden:

  • nasse Kleidung wegschneiden (möglichst wenig oder gar nicht bewegen)
  • viel heißen Tee mit Traubenzucker zu trinken geben (wärmt den Kern von innen)
  • nie Alkohol (erweitert Kapillargefäße, senkt dadurch Kerntemperatur und führt zu Schock und Tod)

Hiebler Packung:

Ein mit 40 Grad warmem Wasser getränktes gefaltetes Frottiertuch o. ä. auf das Herz legen, den Rumpf dick in Decken einpacken und eine Rettungsdecke oder Müllbeutel darüber legen. Die Arme und Beine bleiben frei, sonst fließt das kalte Blut aus den Extremitäten zum Herz und der Patient ist tot !!!

Nach der Bergung

Unterkühlte und Beinahe-Ertrunkene müssen auf schnellstem Weg (Helikopter) in eine Spezialklinik. Auch scheinbar beschwerdefreie Patienten können nach Wasseraufnahme in die Lunge und nach Unterkühlung plötzlich schwere Komplikationen entwickeln. Auch noch nach Stunden! Deshalb muss der Patient mindestens 24 Stunden intensiv beobachtet werden.