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Logbuch 2009

RK Mitglieder sind aktiv (Wehrübung)

Der lange (und steinige) Weg zur Wehrübung

Im Januar 2008 hatte ich mich freiwillig für eine Beorderung gemeldet und bin seitdem der Marineschifffahrtleitung im Flottenkommando zugeordnet.

Eine Wehrübung im Oktober 2008 musste ich leider aus beruflichen Gründen und auch wegen der erforderlichen Planungen für die Berlin Fahrt 2009 absagen. Danach kam keine weitere Anfrage mehr vom Flottenkommando, woraufhin ich noch mal den Kontakt aufnahm - allerdings wieder ohne Erfolg.

Damit war das Thema für mich abgeschlossen und die anstehende Berlin Fahrt 2009 unserer RK wichtiger.

Aber ein Zufall hat dann doch Bewegung in das ganze gebracht. Anfang September war ich zum Jahrestreffen der Marineschifffahrtleitung in Hamburg eingeladen. Dort kam ich mit verschiedenen Kameraden ins Gespräch und schon drei Tage später erhielt ich die ersten Informationen per Mail. Innerhalb von drei Wochen wurden dann alle erforderlichen Dinge per Mail geregelt - Genehmigung des Arbeitgebers, neue Sicherheitserklärung, erforderliche Einkleidung organisiert - und schon am 23. September stand fest, ich würde an der GECONVEX 09 im Oktober teilnehmen.

Die GECONVEX findet nur alle zwei Jahre auf See statt und war in diesem Jahr integraler Bestandteil des Manövers Northern Coasts 2009. Somit hatte ich in doppeltet Glück - zur See zu fahren und an einem internationalen Manöver teilnehmen zu können.

Erste Eindrücke

Dieses Jahr ist schon etwas Besonderes und manche Dinge kommen mir komisch vor. Die Berlin Fahrt 2009 wurde geplant und erst zum Ende hin wurden wir uns der Bedeutung des Jahres 2009 bewusst - es sind 20 Jahre vergangen, seit die Mauer viel.

Auf der Fahrt zur Wehrübung wurde mir dann bewusst, dass ich auch vor 20 Jahren bei der Marine anfing. Im Juni 1989 begann meine Grundausbildung in Bremerhaven an der MOS (Marineortungsschule) und nun 20 Jahre später, fahre ich wieder nach Bremerhaven zur MOS (Marineoperationsschule).

Aber nicht nur der Name der Schule hat sich geändert!

Was als erstes positiv und angenehm auffällt, die administrative Abwicklung geschieht innerhalb von 15 Minuten. Und auch die erforderliche Einkleidung, wird schnell und ohne Schwierigkeiten durchgeführt. Keiner klagt, keiner stellt die Einkleidung in Frage und nach 20 Minuten sitze ich wieder im Auto auf dem Weg zur Kaserne. Wenn ich da an die LHD in Kiel denke und all den Ärger den man da hat, dann ist Bremerhaven wie das Paradies. Es geht also doch anders ...

Beim Essen fallen mir sofort die vielen Frauen auf. Männer sind zwar noch in der Überzahl, aber die Anzahl der Frauen ist beachtlich. Außerdem hatte man sehr schnell den Eindruck im Hauptquartier der NATO in Brüssel zu sein, denn wo man hinschaute sah man auch Uniformen anderer Nationen. Beides gab es während meiner Grundausbildungszeit an der MOS 1989 nicht.

1. Woche

Es ist Dienstag der 20. Oktober und es ging endlich los. Als erstes erfolgte die Begrüßung und dann eine Kurzübersicht über den Ablauf der Übung. Die meisten kannten sich schon untereinander aus den vergangenen Manövern, nahmen uns Neue aber sehr freundlich auf.

Danach begann die Umschulung zum 21er (Fernmelder). Bis zum Nachmittag um 15 Uhr, wurde ich mit neuem Wissen überhäuft. Auf dem Weg zur Einweisung in den Verfahrenstrainer war ich mir sicher, dass die Umschulung in so kurzer Zeit unmöglich erscheint. Als letzten Akt dieses Tages, wurden wir in "Convoy Commodore Teams" aufgeteilt.

Am nächsten Morgen wurde es dann ernst. Wir begannen mit den Übungen im Verfahrenstrainer und es wurde bis Donnerstagnachmittag die Durchführung verschiedenster Aufgaben im Trockenen geübt.

Und hierbei wurde sehr schnell klar, was alle Teilnehmer verbindet - Kameradschaft. Jeder hilft jedem, gerade uns Neuen wurde jede erdenkliche Hilfe gegeben. Wir gingen als Team die Aufgaben an und führten sie als Team durch. Und wir spielten uns sehr schnell ein, obwohl wir in dieser Zusammensetzung das erste Mal miteinander arbeiteten.

2. Woche

Am Sonntag den 25. Oktober begann um 13 Uhr mit der Einschiffung die zweite Woche. Ich rief von der Pier 'Uwe Sauerbrei' an, der mich dann auf der 'Spessart' in Empfang nahm. Er brachte mich zur Kammer, wo ich meine Klamotten ablegte, und zeigte mir grob die wichtigsten Dinge auf dem Trossschiff.

Nachdem auch der Rest eingetroffen war und sich an Bord begeben hatte, gingen wir gemeinsam um 14 Uhr zur Konvoi-Konferenz. Dort wurden wir in die aktuelle Lage eingeführt und mit unserer Aufgabe vertraut gemacht (als integraler Bestandteil der Manövers Northern Coasts 2009).

FGS Spessart verlegt in die Strander Bucht

Um 16 Uhr hieß es dann Leinen los und wir verlegten in die Strander Bucht, wo unsere Convoy-Schiffe bis zum nächsten Morgen vor Anker lagen.

Früh am Montagmorgen gingen die Versorger "Anker auf" und verließen die Strander Bucht in Richtung Großen Belt. Ab Kiel Lighthouse wurde der Convoy durch die schwedischen Korvetten 'HMS Gävle (K22)' und 'HMS Sundsvall (K24)' der Göteborg-Klasse, sowie dem dänischen Schnellboot 'KDM Viben (P562)' der Flyvefisken-Klasse geschützt.

HMS Sundsvall (K24)
KDM Viben (P562)

Unter der Brücke im Großen Belt hindurch, ging es weiter in Richtung Kattegat. Während der ganzen Zeit wurden verschiedene Verfahren und Convoy-Übungen durchgeführt. Dazu gehörte unter anderem das Wechseln der Position innerhalb des Convoys, das Fahren verschiedener Formationen und die Aufgabe den Convoy zu führen. Sobald man die Führung des Convoys übernommen hatte, war man auch für die Kommunikation mit den Begleitschiffen zuständig, was dann eine Menge an Sprüchen und Schreibarbeit bedeutete.

Große Belt Brücke
Versorgen in Convoy-Formation

Trotz der Luftbedrohung, also scheinen unsere Beschützer die Flieger rechtzeitig abgedrängt zu haben, erreichten wir früher als geplant die Einfahrt zum Öresund und gingen für ein paar Stunden vor Anker. Am Dienstagvormittag verließen dann die Schiffe den Ankerplatz und fuhren den Öresund runter, in Richtung Sassnitz, dem Zielhafen des Convoys. Aber kurz hinter Kopenhagen wurden wir kalt erwischt; Piraten (zwei Speedboote der dänischen Marine) versuchten uns anzugreifen. Bei dem dann folgenden Katz- und Mausspiel haben wir uns gefragt, wer wohl die besseren Karten hat.

HMS Gävle (K22) bei der Abwehr von Piraten

Die kleinen und schnellen Speedboote oder die ebenfalls schnelle und wendigen Korvetten der schwedischen Marine, da diese aufgrund ihres Wasserstrahlantriebs auf der Stelle drehen können.

Wir kamen zu der Überzeugung, dass hier die schwedischen Kameraden eindeutig Sieger waren.

Aufgrund der geänderten Lage in den Abendstunden, wurden wir nach Eckernförde umgeleitet. Wir bogen in Richtung Fehmarn Belt ab und Minensucher mussten für uns einen Minenkanal räumen. Ab der Höhe der Kieler Förde wurden wir dann von einem deutschen und schwedischen Minensucher in zwei Gruppen, durch das Minenfeld geleitet.

Schwedischer Minensucher als Guide durch einen Minenkanal

Auch hierbei zeigten die schwedischen Kameraden wieder eine hohe Professionalität; denn unser Guide, der schwedischer Minensucher, hielt sich strikt an die Verfahrensweise und gab uns in regelmäßigen Abständen entsprechende Anweisungen.

Aber die Umleitung des Convoys stellte sich als Fehler heraus, denn wir wurden erwartet und es erfolgte ein gleichzeitiger Angriff aus der Luft und zur See. Unsere Beschützer hatten also alle Hände voll zu tun und konnten ihre Stärke direkt vor der Hafeneinfahrt von Eckernförde nicht ganz ausspielen, aufgrund der Enge und sehr dicht aufeinander fahrenden Convoy-Schiffe.

FGS Spessart vor der EInfahrt in Eckernförde
Speedboot der Kampfschwimmer beim fingierten Angriff

Nachdem dieser letzte Übungspunkt abgeschlossen war, erfolgte die Ausschiffung mittels einer Barkasse vor der Hafeneinfahrt in Eckernförde. In einem Bus ging es dann am Mittwochabend zurück nach Bremerhaven. Am Donnerstag wurden die entsprechenden Aufzeichnungen ausgewertet und für uns Fernmelder war der Nachmittag frei, so dass wir noch mal Bremerhaven unsicher machen konnten.

Ergänzende Informationen

Volker Rubach,  Beauftragter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,  RK Marine Kiel,  01.12.2009