Logo RK Marine Kiel

Deutsche Marine

Über die Amphibik als solches ...

Erläuterung und Hintergrundwissen

Unter Amphibik, der "amphibischer Kriegführung", versteht man eine militärische Operationen im Küstenraum unter Beteiligung von Seestreitkräften und Marineinfanterie oder anderen speziellen Landungstruppen, bei denen Soldaten und Material (auch ohne Nutzung vorhandener Häfen) angelandet oder an Bord genommen werden.

Der Begriff leitet sich ab von griechisch "amphi" = "oppelt, beide" und ist, angelehnt an den Begriff amphibischer Lebewesen, bezogen auf die gleichzeitige Kriegführung auf See und an Land.

Da an heutigen amphibischen Operationen immer auch Luftfahrzeuge beteiligt sind, wurde zeitweilig auch von triphibischen Operationen gesprochen, jedoch hat sich dieser Begriff nicht durchsetzen können.

Für amphibische Operationen benötigt man Landungsschiffe, Truppen, unterstützende Kriegsschiffe, Flugzeuge und Hubschrauber. Auf Grund dieser vielen unterschiedlichen Mittel gelten amphibische Operationen als die kompliziertesten militärischen Operationen überhaupt.

Zu den amphibischen Operationen gehören unter anderem:

  • Anlandungen von Soldaten und Fahrzeugen (auch unter Kampfhandlungen)
  • Kommandounternehmen
  • Evakuierungen von Truppen oder Zivilpersonen
  • die Unterstützung von an Land eingesetzten Truppen

Amphibische Fähigkeiten sind Mittel militärischer Machtprojektion. Vor allem Nationen mit überseeischen Interessen verfügen über spezielle Schiffe und Truppen für amphibische Aufgaben. Die USA verfügen mit einer großen Zahl von Landungsschiffen und dem United States Marine Corps über die größte und modernste amphibische Streitmacht der Welt.

Viele europäische Nationen besitzen ebenfalls Landungsschiffe und eine eigene Marineinfanterie, darunter Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien und die Niederlande.

Geschichte

Neben der Bekämpfung von feindlichen Flotten gehört das Anlanden von Soldaten zu den ältesten Formen des Seekrieges. Bereits in der Antike gab es auf Kriegsschiffen Seeleute, die das Schiff bedienten und Soldaten, die für den infanteristischen Kampf Mann gegen Mann ausgebildet waren.

Im Zeitalter der Entdeckungen und der kolonialen Eroberungen europäischer Seemächte entstanden in vielen Länder spezielle Marineinfanterie-Einheiten, so zum Beispiel in Großbritannien die Royal Marines.

Die größten amphibischen Operationen der Geschichte fanden im Zweiten Weltkrieg statt. Dazu gehörte die amerikanische Besetzung vieler pazifischer Inseln im Kampf gegen Japan (so genanntes Inselspringen) und die Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 (Operation Overlord, D-Day).

Bedeutende amphibische Operationen nach 1945 waren die amerikanische Landung bei Incheon während des Koreakrieges und die britische Wiedereroberung der Falklandinseln im Falklandkrieg 1982.

Heutige Bedeutung

In der seit 1990 veränderten Weltlage spielen Kampflandungen gegen verteidigte Küsten nur noch eine geringe Rolle in den Planungen für amphibische Operationen. Stattdessen ist die Unterstützung von friedenssichernden Operationen von See in den Vordergrund getreten.

Eine besondere Bedeutung kommt der schwimmenden Stationierung von Truppen auf Landungsschiffen zu. Bevor über einen militärischen Einsatz entschieden ist, können die vorgesehenen Truppen bereits auf Landungsschiffen in das Einsatzgebiet gebracht werden. Da sich die Landungsschiffe auf der Hohen See und damit im hoheitsfreien Raum bewegen, sind derartige Truppenbewegungen nicht von der Zustimmung fremder Staaten abhängig.

Moderne, große Landungsschiffe haben sich als sehr geeignet erwiesen, Truppen in ihrem Einsatz zu unterstützen. Sie können mit ihren Hubschraubern und Landungsbooten auch in Regionen mit schwacher Hafeninfrastruktur Material liefern und als schwimmende Basis für verschiedene Unterstützungsleistungen dienen.

Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Evakuierung von Zivilisten aus Krisenregionen wie etwa bei einer britischen Operation in Sierra Leone im Mai 2000.

Viele Nationen in Europa haben deshalb nach 1990 neue Landungsschiffe erworben.

Ergänzende Artikel