Logo RK Marine Kiel

Deutsche Marine

Amphibik der Deutschen Marine im Zeitraffer

Kaiserliche Marine  1871 - 1918

In der Kaiserlichen Marine bestand die Marineinfanterie vor dem Ersten Weltkrieg nur aus drei Seebataillonen, die die Marinestützpunkte bewachen sollten.

Lediglich das III. Seebataillon war in Übersee, im Schutzgebiet Kiautschou in China, stationiert. Die anderen beiden kamen nur während kolonialer Unruhen, so zum Beispiel während des Boxeraufstandes in China und während des Herero-Aufstandes in Deutsch-Südwestafrika zum überseeischen Einsatz.

Erst im Ersten Weltkrieg wuchs ein eigenes Marinecorps auf, das vorwiegend in Flandern zum Einsatz kam. Die einzigen größeren deutschen Landungsunternehmen im Ersten Weltkrieg waren die Besetzung der baltischen Inseln Ösel und Dagö im Oktober 1917 und die Unterstützung Finnlands im Frühjahr 1918.

Kriegsmarine  1933 - 1945

Im Zweiten Weltkrieg bestanden in Deutschland kaum spezielle amphibische Kräfte.

Dennoch gelang mit der Besetzung Norwegens und Dänemarks eine große amphibische Operation, bei der Teile von Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine gemeinsam eingesetzt wurden.

Für die geplante Landung in Großbritannien (Operation Seelöwe) wurden diverse kleine Schiffe und Kähne provisorisch als Landungsboote hergerichtet. Diese kamen jedoch aufgrund der fehlenden, für Landungsunternehmen jedoch erforderlichen Luftüberlegenheit nicht zum Einsatz.

Bundesmarine  1956 - 1990

In den Planungen der Bundesmarine nach 1956, spielte die amphibische Kampfführung zunächst eine große Rolle.

Man beabsichtigte, im Fall eines sowjetischen Angriffs auf die Bundesrepublik, Landungen der Verbündeten im Rücken der Landfront zu unterstützen. Dafür wurde ein eigenes Kommando der amphibischen Streitkräfte aufgestellt, zu dem eine Anzahl von Schiffen und speziellen Truppen, darunter auch Kampfschwimmer, gehörten.

Als in den sechziger Jahren klar wurde, dass derartige Planungen angesichts der militärischen Kräfteverhältnisse in Europa unrealistisch waren, wurde diese amphibische Komponente stark reduziert. Stattdessen ging es jetzt darum, mögliche Landungen der Streitkräfte des Warschauer Pakts an den deutschen und dänischen Ostseeküsten abzuwehren.

In den siebziger und achtziger Jahren war die Abwehr amphibischer Operationen Hauptaufgabe der Bundesmarine in der Ostsee.

Volksmarine  1955 - 1990

Die Volksmarine verfügte ebenfalls über amphibische Kräfte. In den siebziger Jahren ließ sie 12 mittlere Landungsschiffe bauen, die jeweils eine Kampfkompanie, eine MOT Schützenkompanie mit 10 Gefechtsfahrzeugen und Verstärkungsmittel (z.B. einen Panzerabwehrzug oder Teile der Granatwerferbatterie) transportieren konnten.

Ein Regiment der Landstreitkräfte, das MSR-28, bildete im Wechsel (für 2 - 4 Jahre) das I. oder II. MOT Schützenbataillon für die Teilnahme an Seeanlandungen aus.

Für mehr reichte die Seetransportmöglichkeit der Landungsschiffbrigade der Volksmarine nicht aus. Insofern konnte die NVA nur taktische Seelandungen durchführen oder im Bestand der vereinten Ostseeflotten an operativen Seelandungen teilnehmen.

Deutsche Marine  1990 - heute

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die amphibischen Kräfte der nun gesamtdeutschen Marine massiv verkleinert.

Allerdings ergab sich spätestens bei der Rückführung des deutschen Heereskontingents aus Somalia 1994, der Bedarf für eine militärische Transportkomponente. Seither hat es verschiedene Planungen gegeben, für Auslandseinsätze ein oder zwei größere Landungsschiffe zu beschaffen, die jedoch bisher an Geldmangel gescheitert sind.

Im Zuge der Neuausrichtung der Deutschen Marine erfolgte zum 1. April 2014 die Neuaufstellung eines etwa 800 Mann starken Seebataillons. Es gliedert sich in die Bordeinsatzkompanie (BEK), die Küsteneinsatzkompanie (KEK) und die Minentaucherkompanie (MiTaKp). Hinzu kommend die Aufklärungskompanie (AufklKp) und die Unterstützungskompanie (UstgKp).

Im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der niederländischen Marine, entwickelt das Seebataillon zusammen mit dieser, dort vor allem dem Korps Mariniert (KM), eine vertiefte Kooperation, ohne jedoch Kräfte in die Niederlande zu dislozieren. Im Rahmen dieser Kooperation, erhält die Deutsche Marine ein Mitnutzungsrecht an dem Mehrzweckversorgungsschiff Karel Doorman.

Im Rahmen des geplanten Personalaufwuchses der Bundeswehr, wurde am 05.10.2017 eine zweite Bordeinsatzkompanie im Seebataillon in Dienst gestellt. Deswegen erhalten die beiden Kompanien den Zusatz 1 und 2 (BEK1 und BEK2). Diese sollen die durch Einsätze stark belasteten Bordeinsatzsoldaten entlasten und zugleich zukünftig die Fregatten der neuen Klasse F125 mit Personal unterstützen.