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Deutsche Marine

Die Amphibische Gruppe der Bundesmarine 1958 - 1993

Die fünfunddreißigjährige Geschichte der amphibischen Streitkräfte der Bundeswehr begann Ende 1958, als die Aufstellung des Kommandos der Amphibischen Streitkräfte in Wilhelmshaven angeordnet wurde. Sie verfügten im Wesentlichen über zwei Komponenten: die Landungsgeschwader sowie die Transport- und Umschlagbataillone (amph Trsp- u. UmschlagBtl).

Das Rückgrat der amphibischen Einheiten bildeten zunächst die aus US-Beständen übernommenen Landungsboote der Klasse 550 (Eidechse), Klasse 551 (Natter) und die Schwimm-Lkw 2,5t des Typs DUKW, von den Soldaten "Duck" (Ente) genannt.

Schwimm-Lkw 2,5t vom Typs DUKW

Die Mitte der sechziger Jahre entwickelte sich für die amphibischen Streitkräfte zur Blütezeit. Als Ersatz für die mittlerweile in die Jahre gekommenen "Enten" erhielten die amphibischen Transportbataillone 200 LARC-5 (Lighter Amphibious Resupply Cargo 5 t) und 60 Fahrzeuge des LARC-15 (Lighter Amphibious Resupply Cargo 15 t). Die hochseetüchtigen Fahrzeuge dienten vor allem dem Güterumschlag zwischen See und Küste. Zusätzlich führte die Bundesmarine Tests mit "Stalwart"-LKWs der englischen Firma Alvis durch.

LARC-5 (Lighter Amphibious Resupply Cargo 5 t)

Als Ersatz für die Einheiten Klasse 550 und Klasse 551 kamen zwischen 1964 und 1967 22 Landungsboote der Klasse 520 (Barbe) und 28 Landungsboote der Klasse 521 zur Bundesmarine. 16 MZL (Mehrzwecklandungsboot) der Klasse 520 bildeten das 1. Landungsgeschwader in Wilhelmshaven. Das Geschwader verlegte am 1. Juli 1968 nach Borkum, im März 1977 nach Kiel und erhielt dort am 8. März 1977 die Bezeichnung "Landungsbootgruppe".

Mehrzwecklandungsboot (MZL) Klasse 520

Die Ende der siebziger Jahre vorgenommene Verlegung der amphibischen Truppenteile an den neuen Standort Kiel spiegelt die Aufgaben wieder, die die Marine den amphibischen Einheiten zudachte. Die Sicherung der Ostseezugänge (Baltic Approaches, BALTAP) erforderte ein hohes Maß an operativer Flexibilität. Die Verteidigung der dänischen und der deutschen Ostseeküste einschließlich der zahlreichen vorgelagerten Inseln setzte die schnelle Verlegbarkeit von Landstreitkräften vom Festland auf die Inseln bzw. von Insel zu Insel voraus. Eine Aufgabe innerhalb der NATO, für die die amphibischen Einheiten bestens gerüstet waren. Sie transportierten nicht nur Soldaten des Heeres, sondern auch dänische M41 oder britische Centurion Kampfpanzer zählten zu ihren "Fahrgästen". Darüber hinaus tauchten die Landungsboote der Marine gelegentlich als Fähren bei Übungen der Flusspioniere (z.B. Rheinüberquerungen) oder auf Ausbildungsfahrten im Binnenland auf.

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs veränderte sich die Bedrohungssituation an der Ostseeküste. Aus den ehemaligen Feinden im Osten wurden Partner für den Frieden. Die Landungsbootgruppe in Kiel und die Strandmeisterkompanie in Eckernförde passten nicht mehr in die neue sicherheitspolitische Lage. Im Rahmen der Reduzierung der Bundeswehr wurden daher die amphibischen Verbände der Marine 1993 aufgelöst. Lediglich fünf Einheiten der Klasse 520 blieben in Dienst und wurden auf Grund ihrer Fähigkeit zum Minenlegen zunächst dem 3. Minensuchgeschwader in Olpenitz unterstellt.

Vom 17.05.2001 bis 21.06.2001 fand die letzte gemeinsame Reise der noch verbliebenen vier Landungsboote, Lachs (L 762), Plötze (L 763), Schlei (L 765) und Zander (L 769), statt. Von Olpenitz ging die Fahrt über Brunsbüttel, Helgoland, Den Helder (NL), Rotterdam (NL), Emmerich, Neuss, Bonn, Andernach, Mainz, St. Goarshausen, Koblenz, Köln, Neuss, Düsseldorf, Duisburg, Wesel, Arnhem (NL), Amsterdam (NL) und Brunsbüttel zurück nach Olpenitz, wo die Landungsboote am 21.06.2001 wieder einliefen.

Plötze (L 763) wurde am 17.09.2001 und Zander (L 769) am 28.02.2002 außer Dienst gestellt. Schlei (L 765) wurde am 02.10.2017 außer Dienst gestellt, da bei einer Werftüberholung so schwere Schäden festgestellt wurden, dass eine Instandsetzung finanziell nicht vertretbar wäre.

Somit ist nur noch Lachs (L 762), eins von ehemals 22 Landungsbooten, mit 53 Dienstjahren noch aktiv im Dienst ...

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