Extremismus
Islamismus
Definition
Allgemein
Der Islamismus ist keine einheitliche Bewegung, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene politische Ideologien, die darauf abzielen, eine auf dem Islam basierende gesellschaftliche und politische Ordnung zu etablieren. Gemeinsam ist den Strömungen eine Ablehnung der demokratischen, pluralistischen und westlichen Werteordnung.
Salafismus
Der Salafismus ist eine ultrakonservative, fundamentalistische Strömung innerhalb des sunnitischen Islam, die eine kompromisslose Rückkehr zu den Praktiken und der Lehre des frühen Islams anstrebt, Koran und Sunna wortgetreu auslegt und sich oft radikal von modernen Gesellschaften abgrenzt.
Es gibt verschiedene Ausprägungen, darunter politisch-aktivistische und jihadistische (gewaltbereite) Formen. Der Politischer Salafismus zielt auf die Errichtung einer Gesellschaft nach dem Vorbild des Frühislams, verzichtet aber auf direkte Gewalt, um Ziele zu erreichen. Jihad-Salafismus ist eine gewaltbereite Form, die bewaffneten Jihad (Dschihad) befürwortet und oft terroristische Ziele verfolgt, wobei die Ideologie die Grundlage für Radikalisierung bildet.
Beide Formen sind mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und Demokratie unvereinbar, da sie die als unislamisch empfundenen westlichen Systeme, Lebensweise, technische Entwicklung und westliche Traditionen ablehnen.
Der Salafismus ist eine ideologische Basis für extremistische Netzwerke und terroristische Aktivitäten. Eine Radikalisierung kann durch aggressive Missionierung, Abschottung vom Umfeld, Ablehnung anderer Argumente und Verhaltensänderungen erkennbar sein. Um Jugendliche zu erreichen, werden zur Propaganda Popkultur-Elemente und soziale Medien genutzt.
Dschihadismus
Dschihadismus ist eine extremistische, gewalttätige Ideologie, die sich als militant-islamistisch versteht und das Ziel verfolgt, einen islamischen Staat unter der Scharia durchzusetzen und stellt eine radikale Form des sunnitischen Islamismus dar.
Er nutzt und verfälscht dabei den Begriff des Dschihad (heiliger Krieg oder Anstrengung) zur Rechtfertigung von Gewalt und Terror, so wie ihn die Terrororganisation al-Qaida oder Terrormiliz IS praktizieren.
Der Dschihadismus ist mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und Demokratie unvereinbar, da er die als unislamisch empfundenen westlichen Systeme, Lebensweise, technische Entwicklung und westliche Traditionen ablehnt.
Zur Rekrutierung für den bewaffneten Kampf, nutzt er soziale Medien zur Propaganda und mit Terror versucht er westlichen Systeme und Demokratien zu destabilisieren.
Legalistischer Islamismus
Mit dem Begriff Legalistischer Islamismus werden Strömungen bezeichnet, die versuchen, auf legalem Wege Einfluss auf Politik und Gesellschaft zu nehmen - also im Rahmen der Rechtsordnung und ohne den Einsatz von Gewalt. So sollen sukzessive Normen ihres eigenen Islamverständnisses durchgesetzt werden und der demokratische Rechtsstaat damit langfristig ausgehöhlt werden.
Im Jahr 2019 warnten Wissenschaftler davor, dass der Legalistische Islamismus immer stärker wird und zunehmend versuche, seine antidemokratischen und unfreiheitlichen Wertvorstellungen politisch durchzusetzen. Die Ablehnung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und Demokratie, die als unislamisch empfundenen wird, zeichnet diese Form aus.
Besonders Islamverbände wie der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), Islamische Gemeinschaft Millî Görüs (IGMG), Hizb ut-Tahrir (HuT), Muslimbruderschaft (MB) oder das Islamische Zentrum Hamburg e. V. (IZH) in Hamburg bemüht, islamische Normen gesellschaftlich durchzusetzen.
Mit großflächigen und antidemokratischen Kampagnen im Internet, werden Ängste und Misstrauen gegenüber dem Rechtsstaat geschürt, um so eine Abwendung von demokratischen Werten zu fördern. Darüber hinaus der Aufbau eines Kalifatsstaats propagiert.
Politischer Islam
Der Politische Islam ist ein mehrdeutiger Begriff, der die Bestrebung beschreibt, Staat und Gesellschaft nach islamischen Prinzipien zu gestalten, wobei der Islam als Grundlage für politische Identität und Handeln dient. Eine Trennung von Religion und Staat wird strikt abgelehnt.
Die legalistische Form agiert gewaltfrei, will aber eine islamistische Gesellschaftsordnung durch Beeinflussung von Politik und Gesellschaft anstreben und schafft innerhalb von Staaten Gegengesellschaften, sogenannte Parallelgesellschaften. In Parallelgesellschaften existieren zum Beispiel eine Paralleljustiz (Friedensrichter) zur Klärung von Ehe-, Erb- und Rechtsfragen.
Dagegen strebt die radikale Form eine Islamisierung der gesamten Gesellschaft mit allen Mitteln an. Dazu nutzt sie Gewalt und Terror, befürwortet auch terroristische Ziele.
Ein zentrales ideologisches Element ist der Antisemitismus, der sich feindselig gegenüber jüdischen Menschen in der Gesellschaft und Israel zeigt, aber auch gegenüber anderen Religionsgemeinschaften gibt es ablehnende Haltung und diese werden nicht toleriert.
Sicherheitsbehörden betrachten den politischen Islam (Islamismus) als extremistisch, da er die Grundlagen demokratischer Gesellschaften untergräbt.
Schiitischer Islamismus
Der schiitische Islamismus ist eine politische Ideologie, die eine theokratische Herrschaft auf Basis der Schia fordert (Beispiel Iran), um eine gottgeleitete Ordnung zu errichten. Im Kern steht die Ablehnung säkularer Staaten und die Forderung nach einem Gottesstaat, der sich auf schiitische religiöse Lehren stützt, oft mit starker Betonung von Märtyrerkult und Eschatologie.
Er will seine Revolution exportieren und nutzt dazu wichtige Organisationen, wie die Hisbollah (Libanon), schiitische Milizen (Irak) und die Revolutionsgarden (Iran), die oft anti-westliche und anti-israelische Positionen vertreten.
Der Schiitische Islamismus ist mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und Demokratie unvereinbar, da er die als unislamisch empfundenen westlichen Systeme, Lebensweise, technische Entwicklung und westliche Traditionen ablehnt.
Offizielle Organisationen sind teilweise verboten, dennoch existieren Anhänger der Hisbollah und verwandter Gruppierungen in Deutschland. Die Anhänger halten oft über Medien Kontakt zu ihren Heimatorganisationen (Revolutionsgarden, Iran).
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