Lexikon

Windjammer

Alexander von Humboldt

Alexander von Humboldt

Geschichte

Das Schiff wurde im Jahr 1906 als Reserve-Feuerschiff vom preußischen Seefahrtministerium geplant und in Auftrag gegeben. Am 10. September 1906 lief es bei der Bremer Weserwerft vom Stapel. Es war das erste von vier Schwesterschiffen; die anderen drei waren die Norderney (I) (heute Museumsschiff in Wilhelmshaven), die Norderney (II) und die Amrumbank (I) (beide im Zweiten Weltkrieg zerstört).

Planungsgrundlage war, wie bei vielen anderen Feuerschiffen auch, ein seetüchtiger Segelschiffsrumpf (oft nach dem führenden Konstrukteur bei Johann Carl Tecklenborg, Dr.-Ing. h. c. Georg Wilhelm Claussen, Claussen Rumpf genannt), auf den aber anstelle dreier normaler Segelmasten zwei Segelmasten (Fock- und Besanmast) und ein Laternenmast auf Großmastposition aufgesetzt wurde. Feuerschiffe dieser Zeit waren quasi als Schoner getakelt, d. h. sie hatten für alle Masten auch die entsprechenden Segel an Bord. Wie alle Feuerschiffe war es rot gestrichen und trug weiße Schriftzeichen.

Zweck eines Reservefeuerschiffes war die Vertretung eines Stamm-Feuerschiffes während der jährlichen Werftliegezeiten. Auf welchen Namen es genau getauft wurde, ist nicht ganz geklärt. Sowohl der Name Reserve Fehmarnbelt (nach dem ersten Einsatzort), als auch Reserve Sonderburg tauchen auf. Anhand der Schiffsglocke ist allerdings die letztgenannte Möglichkeit, also einfach Reserve mit Heimathafen Sonderburg, am ehesten anzunehmen. Ab 1920, nachdem Sonderburg dänisch wurde, hieß das Schiff Reserve Holtenau.

Am 17. September 1986 kam es auf der Weser Station mit liberianischem Motorschiff Ocean Wind zu einer Kollision. Wegen der Schäden wurde es am 23. September 1986 außer Dienst gestellt und zur Reparatur nach Wilhelmshaven gebracht. Dort wurde das Schiff in Confidentia umbenannt und anschließend nach Bremerhaven überführt.

Nach ihrer Außerdienststellung wurde das Feuerschiff bereits am 30. September von der Deutsche Stiftung Sail Training, einer Stiftung zur Förderung des Jugendsegelns (getragen u. a. vom Automobil-Spediteur E. H. Harms GmbH & Co. und der Brauerei Beck & Co.) gekauft. Die Stiftung ist in der Sail Training Association Germany e. V. (STAG) organisiert, einem nationalen Zusammenschluss von Segelschulschiffen. Sie ließ das Schiff mit viel Eigeninitiative und in Zusammenarbeit mit den MWB Motorenwerken Bremerhaven für 1,1 Millionen € zu einem Großsegler umbauen.

Als Referenz an die Segelschiffe der Reederei Rickmers wurde der Rumpf dauerhaft grün gestrichen. Nach der Probefahrt am 3. März 1988 erfolgte am 20. Mai 1988 die Taufe das fertigen Schiffs nach dem deutschen Naturforscher auf den Namen Alexander von Humboldt (oft kurz Alex genannt) und damit die offizielle Indienststellung durch die Deutsche Stiftung Sail Training (DSST). Die Laterne des Feuerschiffes wurde vor dem Kieler Schifffahrtsmuseum (ehemaligen Fischhalle unmittelbar am Kieler Hafen) aufgestellt.

Seit ihrem Umbau hat die Alexander von Humboldt weit über 300.000 Seemeilen zurückgelegt, dies entspricht etwa dem vierzehnfachen Äquatorumfang. Höhepunkte sind jedes Jahr die Cutty Sark Tall Ship' Race (heute Tall Ship' Race), Regatten, bei denen sich vor allem Großsegler und speziell deren jugendliche Mannschaften aus aller Welt treffen, sowie die Wintertörns um die Kanarischen Inseln herum. Im Sommer segelt das Schiff hauptsächlich in Nord- und Ostsee. Die Alexander von Humboldt dient des Weiteren als Windjammer für die Jugend als Segelschulschiff für zahlende Gäste allen Alters, die das Segeln auf Großseglern erlernen wollen.

Eine der weitesten Reisen führte die Alexander von Humboldt auf von Humboldts Spuren (zum Gedenken an dessen Südamerika-Expedition vor 200 Jahren von 1799-1804) nach Südamerika und in die Karibik von Oktober/November 2003 bis Mai 2004.

Zur Feier der Indienststellung vor 100 Jahren startete die Alexander von Humboldt im Herbst 2005 erneut zu einer Reise nach Südamerika. Die einzelnen Stationen der Jubiläumsreise waren Bremerhaven, St. Malo, Lissabon, Kanarische Inseln, Kapverdische Inseln, Rio de Janeiro, Buenos Aires, Ushuaia (Feuerland), Valparaiso, Callao, Balboa (Panama-Kanal), Havanna, Bermudas, Azoren, St. Malo und wieder Bremerhaven. Im Rahmen dieser Reise passierte das Schiff am 13. Januar 2006 um 7:03 Uhr Ortszeit Kap Hoorn, die Südspitze Südamerikas. Die Alexander von Humboldt war damit der erste Großsegler unter deutscher Flagge, der seit 1949 Kap Hoorn umrundet hat. Sie passierte unter Segeln das Kap in Ost-West-Richtung, trotz Windstärke 10 Beaufort, in Böen 11 Beaufort, aus West.

International bekannt wurde das Schiff als Werbeschiff für die Brauerei Beck & Co. und für seine grünen Segel, einer Werbeaktion von Beck's Bier. Damit ist die Alexander von Humboldt neben der Gorch Fock der wohl bekannteste Rahsegler Deutschlands. Dieser Werbevertrag ist in der Zwischenzeit ausgelaufen, die Segel blieben nach der Entfernung der Werbung aber grün.

Wegen ständig wachsenden Sicherheitsanforderungen und den damit verbundenen steigenden Unterhalt- und Wartungskosten (bis zu 500.000 Euro pro Jahr) wurde das Schiff dem Eigner zu teuer und somit am 9. Oktober 2011 außer Dienst gestellt. Nachfolger im Betrieb für die Stiftung ist die Alexander von Humboldt II.

Ende Dezember 2011 wurde das Schiff an einen Bremerhavener Unternehmer verkauft, ab 10. Januar 2012 nach Freeport auf den Bahamas überführt und dort zunächst ab März 2012 - mit einheimischer Besatzung - für touristische Segeltouren eingesetzt. Nachdem das Konzept - Segeltouren rund um die Bahamas - nicht aufging, wurde es zwecks Überholung in eine Werft nach Sevilla ins Mittelmeer überführt. Dort befand es sich zwischen Mitte März und Anfang April 2013. Weil die dortigen technischen Gegebenheiten für die Überholung eines Segelschiffes nicht geeignet waren, wurde es Anfang Mai nach Bremerhaven überführt. Ab September 2013 lag es dann in Bremerhaven auf.

Im Juli 2014 kaufte es ein Unternehmer aus Goslar, der das Schiff zu einem Veranstaltungs- und Hotelschiff mit Gastronomie umbauen ließ. Seit 18. April 2015 befand sich die Alexander von Humboldt in der Marina Europahafen und machte am 24. Oktober 2016 an ihrem endgültigen Liegeplatz an der Schlachte in Bremen fest.

Schiffsdaten
Bauwerft:Weserwerft
(spätere AG Weser)
Bremen (DE)
Baunummer:155
Stapellauf:10.09.1906
Indienststellung:
Verwendung:Reserve-Feuerschiff
Jugend-/Ausbildungsschiff
Eigner:Gastronom
Heimathafen:Bremen
Nation:Deutschland
Besatzung
Stammbesatzung:25
Kadetten:35
Schiffsmaße
Länge über alles:62,55 m
Breite:  8,02 m
Tiefgang:  4,88 m
Wasserverdrängung:   829 t
Takelung und Rigg
Takelung:Bark
Anzahl Masten:3
Höhe über KWL:34,00 m
Anzahl Segel:25
Segelfläche:1.035 m²
Maschinenanlage
Maschine:1 x MAN Diesel
Leistung:452 kw (615 PS)
Geschwindigkeit
unter Motor:  7,0 kn (13,0 km/h)
unter Segeln:10,0 kn (18,5 km/h)

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