Lexikon

Spezialeinheiten

Special Boat Service

Der Special Boat Service (SBS) ist die maritime Spezialeinheit der der British Army.

Wie der Special Air Service (SAS), das Special Reconnaissance Regimentv (SRR) und die Special Forces Support Group (SFSG) ist der SBS Teil der Gemeinschaft der Spezialeinsatzkräfte (Special Forces Community) der United Kingdom Special Forces (UKSF).

Geschichte

Der SBS wurde im März 1943 gegründet und führte während des Zweiten Weltkriegs seine Einsätze vor allem in Italien, Jugoslawien und Griechenland durch.

Bereits vom 7. bis 12. Dezember 1942 wurde durch das Royal Marines Boom Patrol Detachment der Kommandoeinsatz Operation Frankton gegen Schiffe im Hafen von Bordeaux durchgeführt, der von der deutschen Wehrmacht besetzt war. Diese sollte allerdings nach kritischen Nachfragen von der konservativen Opposition geheim bleiben.

Auftrag

Der SBS ist spezialisiert auf Einsätze im und am Wasser, auf Landungsoperationen und Einsätze auf Schiffen oder Bohrinseln. Dazu gehören Geiselbefreiungen ebenso wie der Schutz britischer Schiffe und Hafenanlagen, oder die Sabotage gegnerischer Einrichtungen.

Während des Kalten Krieges waren die Aufgaben der einer klassischen Spezialeinheit, vor allem Informationsbeschaffung und Einsätze hinter feindlichen Linien. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich jedoch dieses Bild geändert. Heute gehört die Bekämpfung und Verhinderung von Terrorakten zu den Hauptaufgaben. Dabei führt die Einheit nicht nur maritime Aufgaben durch, sondern kann auch zum Schutz von Flughäfen, der Erstürmung von Gebäuden und der Ergreifung von verdächtigen Personen eingesetzt werden.

Ihre Rolle als Waffentaucher ist vergleichbar mit der der Frømandskorpset der Dänischen Marine oder der der US Navy SEALs.

Kooperation / Partnerschaft

Großbritannien: Special Air Service (SAS) | Israel: Schajetet 13 | Großbritannien: Delta Force, Navy Seals

Einsätze

1971

Die Reederei Cunard Line erhielt eine Bombendrohung mit Lösegeldforderung, wonach angeblich eine Bombe auf dem Transatlantikliner Queen Elizabeth 2 deponiert worden sein sollte. Als Reaktion wurden - neben einem EOD-Spezialisten und einem Soldaten des Special Air Service (SAS) - zwei Soldaten des SBS über dem Atlantik von einer C-130 Hercules per Fallschirm abgesetzt. Die Besatzung der Queen Elizabeth 2 hatte zwischenzeitlich das Schiff durchsucht und zwei verdächtige Gepäckstücke gefunden. Diese wurden vom EOD-Spezialisten untersucht und als harmlos bewertet. Die Bombendrohung erwies sich als Falschmeldung. Während des Einsatzes wurde das Lösegeld am geforderten Ort deponiert, jedoch nie abgeholt. Die Identität des Erpressers konnte nie festgestellt werden.

1973

Im April wurde die Queen Elizabeth 2 von einer Gruppe jüdischer Amerikaner gebucht, um sie zu den Feiern anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Staates Israel nach Haifa zu bringen. Im Hinblick auf die Geiselnahme während der Olympischen Spiele in München 1972, wurde eine Attacke durch die Terrorgruppe Schwarzer September für möglich gehalten. Aus diesem Grunde wurde eine Protection Group des SBS verdeckt als Reiseverkehrskaufleute eingeschifft.

Anmerkung: Bei diesem ersten Einsatz dieser Art für die SBS, kam es zu mehreren Fehlern. So mussten bis dahin auch die Angehörigen des SBS einen militärischen Kurzhaarschnitt tragen, der in der damaligen Zeit - die Haare wurden im zivilen Bereich länger getragen - sehr auffällig war. Zum anderen operierte der SBS bis dahin ausschließlich in Uniform und war daher das Agieren in Zivil nicht gewohnt. In der Folge wurde der Einsatz durch die Presse aufgedeckt. Einige Jahre danach wurden bei einem weiteren derartigen Einsatz zwei Gruppen eingeschifft - ein offen operierendes Team und ein verdecktes. Diese Operation blieb unerkannt.

1982

Einheiten des SBS wurden mehrfach im Falklandkrieg eingesetzt. Besondere Bedeutung kam ihnen bei der Rückeroberung von Südgeorgien zu.

1991

Am 27. Februar stürmten Angehörige des SBS im Rahmen des Zweiten Golfkriegs die britische Botschaft in Kuwait. Sie wurden durch einen WS-61 Sea King eingeflogen und seilten sich von diesen aus ab. Man ging davon aus, dass die Botschaft durch irakische Truppen besetzt war. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Botschaft nie besetzt war.

1992

Am 23. November enterten zwei Teams des SBS in einer Anti-Drogen-Operation das Frachtschiff Foxtrot Five. Das Schiff wurde in einer gemeinsamen Operation von US Drug Enforcement Administration (DEA), britischem Zoll und Polizei, sowie Interpol überwacht und seine Fahrt von einer kolumbianischen Insel über den Atlantik nach Greenwich bei London verfolgt. Während der Entladung an der Themse näherten sich die zwei Teams in Schlauchbooten, enterten das Schiff und stellten die Drogenschmuggler auf frischer Tat. Gleichzeitig ging bewaffnete Polizei von Land her vor und stürmte das Lagerhaus am Pier. Während der Aktion wurden fünf Mann verhaftet und Drogen im Millionenwert sichergestellt.

2000

In der späten Phase des Bürgerkriegs in Sierra Leone, wurden fünf britische Soldaten des Royal Irish Regiment und ihr Verbindungsoffizier der Armee von Sierra Leone auf einer Patrouille entführt. Die zwölf schwer bewaffneten Rebellen der sogenannten Milizgruppe West Side Boys, brachten die Geiseln in den am Fluss Rokel liegenden Ort Gberi Bana.

Zwei Tage später wurden zwei Beobachtungsteams des Special Air Service (SAS) in Angriffsbooten vom SBS in die Nähe des Ortes gebracht und an beiden Seiten des Flusses abgesetzt. Dort begannen sie die Bewegungen der Entführer zu beobachten, Informationen zu sammeln und geeignete Landeplätze für Hubschrauber zu finden.

Am 10. September gegen 06:30 Uhr gingen Hubschrauber in ein Warteschleifenmuster um den Ort, damit die SAS Beobachtungsteams Zeit hatten, sich in Position zu bringen, um die Milizgruppe daran zu hindern die Geiseln zu töten bevor das Evakuierungsteam am Boden war. Dann flogen die Hubschrauber den Fluss hinauf, wobei die HC.2 Chinooks so tief flogen, dass der Abwind die Wellblechdächer mehrerer Hütten in den Dörfern abriss und auch das Dach des Gebäudes, in dem sich die Geiseln befanden. Als sich die Hubschrauber näherten, versuchten mehrere Kämpfer der Milizgruppe in die Nähe der Gefangenen zu gelangen, wurden aber von Soldaten des SAS neutralisiert. Bei ihrer Ankunft sicherten die beiden AH.Mk.9 Lynx das Gelände, um die Landezonen für die Chinooks so sicher wie möglich zu machen und die Stellungen mit schweren Waffen der Milizgruppe zu zerstören. Die abgesetzten Soldaten des SAS gerieten unter heftigen Beschuss. Sie kämpften den Widerstand erbittert nieder und nach 20 Minuten waren die Geiseln befreit und die restlichen Kämpfer der Milizgruppe festgenommen.

Bei der Operation wurden auch 22 Zivilisten befreit, die von der Milizgruppe entführt und gefangen gehalten worden waren. Die Männer wurden als Diener eingesetzt und einer brutalen militärischen Ausbildung unterzogen, möglicherweise mit der Absicht, sie in Zukunft zum Kampf zu zwingen. Die Frauen wurden als Sexsklavinnen missbraucht.

2001

Im Herbst waren Einheiten des SBS Teil der Interventionstruppen, die in Afghanistan gegen die Taliban kämpften. Unter anderem besetzten dabei 100 Soldaten der C-Kompanie im November den Luftwaffenstützpunkt Bagram nahe Kabul im Nordosten des Landes, allerdings ohne Billigung der Hauptstreitmacht USA. Bagram war zu diesem Zeitpunkt von starken Einheiten der Taliban und der gegnerischen Nordallianz eingeschlossen, die um die Hoheit über die Schlüsselstellung kämpften. Die SBS Einheit sollte als Vorhut einer aus mehreren tausend Mann bestehenden alliierten Kampfgruppe dienen. Der britische Einsatz fand die Unterstützung paschtunischer Führer im Süden des Landes, die damit verhindern wollten, dass die Nordallianz Kabul kontrolliert. Die Nordallianz aber war dagegen, was von den USA geduldet wurde. Dies führte dazu, dass die britischen Soldaten in Bagram letztlich einen Tag und eine Nacht gegen Nordallianz und Taliban kämpften, bis sie von amerikanischen Verbänden entsetzt wurden.

2003

Bei der Invasion des Irak wurde die M-Squadron als Task Force 7 nach Jordanien entsandt und war Teil der Combined Joint Special Operations Task Force West (CJSOTF-West), die für Hubschrauberangriffe auf irakische Ölanlagen vorgesehen war. Anfang März bestand ein Aufklärungsteam seine erste Mission. Sie fuhren von Jordanien aus in den Irak, um die Aufklärung eines irakischen Luftwaffenstützpunkts in al-Sahara durchzuführen. Dabei wurden sie von der irakischen Spezialeinheiten Fedayee entdeckt. Dank einer F-15E Strike Eagle der US Air Force, die Luftabdeckung für das Team flog, und einem HC.2 Chinook der Royal Air Force (RAF), die ebenfalls die irakischen Soldaten unter Feuer nahmen, konnten sie knapp entkommen.

2007

Am 12. Mai wurde der Taliban-Führer Mullah Dadullah in der Nähe von Bahram Chah in der Provinz Helmand gesichtet. Ein Team des SBS wurde zu einer Aufklärung gesendet und bestätigte, dass Dadullah sich an dem Ort aufhält. In der folgenden Nacht wurde der Großteil der C-Squadron von HC.2 Chinook der Royal Air Force (RAF) abgesetzt, während AH-64 Apache Kampfhubschrauber Deckung aus der Luft gaben. Die SBS stürmte das Gelände und es fand ein einstündiges Feuergefecht statt, da kleine Gruppen von Taliban-Kämpfer gestellt und kampfunfähig gemacht werden mussten. Schließlich wurde Dadullah in Brust und Kopf geschossen, eine kurze Identifizierung durchgeführt und die Soldaten der SBS vom Hubschrauber wieder ausgeflogen.

2007

Am 24. September befreite der SBS in Afghanistan zwei italienische Soldaten aus der Gewalt der Taliban. Hierbei wurde einer der Entführten leicht, der andere schwer verletzt. Alle acht Geiselnehmer wurden getötet.

2008

Am 18. Februar reisten der Taliban-Führer Mullah Abdul Matin und einer seiner Unterkommandanten, Mullah Karim Agha, zusammen mit mehreren Leibwächtern mit Motorrädern durch die Wüste in der Nähe von Gereshk in der Provinz Helmand, als eine SBS Einheit sie von einem Hubschrauber aus angriff und töteten.

2011

Am 27. Februar übernahmen Soldaten des Special Air Service (SAS) und des SBS die Sicherung bei der Evakuierung von 150 Ölarbeitern aus dem libyschen Bürgerkrieg. Von einem Flugplatz in der Nähe von Zella wurden die Arbeiter mit zwei C-130 Hercules der Royel Air Force (RAF) nach Valletta ausgeflogen.

2012

Am 8. März versuchte ein kleines Team der SBS zwei Geiseln Chris McManus (Brite) und Franco Lamolinara (Italiener), zu retten. Diese waren von Mitgliedern der al-Qaida-loyalen Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria entführt und festgehalten worden. Die beiden Geiseln wurden vor oder während des Rettungsversuchs getötet. Berichten zufolge wurden alle Geiselnehmer getötet.

2015

Die Taliban begannen am 24. April mit ersten Angriffen in der Provinz Kundus und umzingelten bis zum 28. April die Stadt Kundus und ein Bataillon von 400 Soldaten der ANA in Imam Sahib. Am 27. April begann man damit, das eingeschlossene Bataillon zu befreien und tötete 27 Taliban. Es kam bis zum 7. Mai zu einem Patt ohne Geländegewinne. Dann wurden die Kämpfe wieder aktiver und die afghanischen Sicherheitskräfte entdeckten unter den Toten auch ausländische Kämpfer, wie Tschetschenen und Türken.

Am 29. September griffen erstmals US Streitkräfte mit zwei Luftangriffen in das Geschehen ein und es wurden Spezialeinheiten der USA, sowie die SBS von Kabul eingeflogen. Am 30. September versuchten 200 afghanische Spezialeinheiten Kundus einzunehmen. Dabei wurden sie zunächst von dem SBS nur beraten, später griff der SBS selber in das Geschehen ein.

2018

Am 21. Dezember entern Soldaten des SBS das Cargo-Schiff Grande Tema, nachdem vier blinde Passagiere das Schiff entführt hatten, die Besatzung bedrohten und die Einreise nach in das Vereinigte Königreich forderten.

2020

Am 25. Oktober wurde der Öltanker Nave Andromeda südöstlich der Isle of Wight vom SBS geentert, da er von blinden Passagieren entführt worden war. Sieben Personen (von denen angenommen wird, dass sie Nigerianer sind) wurden der Polizei von Hampshire übergeben.

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